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Dünger-Lexikon


ÜBERSICHT DER INHALTE


1. Was versteht man unter Dünger?
2. Geschichte des Düngers
3. Warum düngen?
4. Welche Düngerarten gibt es?
5. Zusammensetzung von Düngern
6. Ökologische Dünger für den Biogarten
7. Bio-Dünger selber herstellen
8. Gefahren des Düngens




1. WAS VERSTEHT MAN UNTER DÜNGER?

Das Wort 'Dünger' ist ein Sammelbegriff für organische und mineralische Stoffe und Stoffgemische, die in der Landwirtschaft und im Gartenbau dazu eingesetzt werden, Nutz- und Zierpflanzen mit den wichtigsten Nährstoffen zu versorgen und somit Mangelerscheinungen, Ernte- und Blühausfälle zu verhindern. Wichtigste Bestandteile eines Düngers sind meist die Hauptnährelemente Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Darum werden diese Dünger als  NPK-Dünger oder Volldünger bezeichnet. Viele Dünger enthalten auch größere Anteile Schwefel, Calcium, Magnesium und Eisen sowie weitere wichtige Spurenelemente, die häufig auch als Einzelnährstoff- oder Spurenelementedünger angeboten werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass Stickstoff der Erzeugung von Blattmasse dient, Phosphor dient der Blüten- und Fruchtbildung, Kalium stärkt die Holzbildung und Pflanzenstatik, Magnesium fördert die Nährstoffaufnahme.

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2. GESCHICHTE DES DÜNGERS


DIE ANFÄNGE

Man kann davon ausgehen, dass die ersten Menschen, die sesshaft wurden und Ackerbau betrieben, auch die ersten waren, die ihre Kulturpflanzen düngten. Zunächst mag dies unfreiwillig und zufällig geschehen sein: Die bäuerlichen Familien entsorgten ihre eigenen Exkremente sowie die ihrer Tiere, zusammen mit Küchenabfällen und anderem organischem Material, hinter ihrem Haus. Da sich rund um die ersten Siedlungen auch die Äcker befanden, dürfte es nicht lange gedauert haben, bis man feststellte, dass Pflanzen an jenen Stellen besser gediehen, wo zuvor Mist und Abfälle entsorgt worden waren. Fortan wird der Mensch mehr oder weniger bewusst seine Äcker und Nutzgärten mit Nährstoffen versorgt haben. Der erste schriftliche Beleg für die Nutzung von tierischen Exkrementen für die Düngung ist die Ilias des griechischen Dichters Homer: Dort wird beschrieben, wie im Wirtschaftshof des Odysseus ein Misthaufen vor sich hinstinkt, bevor er von den Knechten auf die umliegenden Felder verteilt wird (800 v. Chr.). Aus Überlieferungen ist aber bekannt, dass beispielsweise in China schon seit Jahrtausenden menschliche Exkremente gesammelt und als Dünger eingesetzt werden.

In vorrömischer Zeit praktizierten die Kelten das sogenannte 'Kuhlen' bzw. 'Mergeln' - dabei wurde kalkreicher Mergel aus tiefen Gruben mühevoll auf die umliegenden Ackerflächen ausgebracht, um deren Wasserhaltefähigkeit zu verbessern und sie wieder ertragreich zu machen. Die 'Gründüngung' wiederum war, soviel weiß man, schon den Römern bekannt. Sie säten nach der Kultur ihrer Nutzpflanzen stickstoffsammelnde Leguminosen auf den Feldern aus und pflügten diese unter, um dem Boden wieder lebenswichtige Pflanzennährstoffe zurückzuführen. Auch der Nutzen einer Brache, also das Stillegen eines Feldes für ein oder zwei Vegetationsperioden, war ihnen bekannt. In dieser Ruhephase wurden durch Verwitterung und die Regeneration des Bodenlebens wieder neue Nährstoffe aufgeschlossen und für nachfolgende Kulturen zugänglich gemacht. Der römische Philosoph Seneca (1-65 n. Chr.) beschrieb schon damals das Problem der 'Altersschwäche des Bodens' - offenbar erkannte man, dass der intensive Ackerbau die Muttererde auszehrte. Doch nicht nur die für damalige Verhältnisse hochtechnisierten und wissenschaftlich überlegenen Römer, sondern auch unsere germanischen Vorfahren wussten um die Notwendigkeit einer Düngung. So wurden beispielsweise im Pfahlbau von Robenhausen (Schweiz), der aus der Steinzeit stammt, 6 Fuß tief unter dem Torf dicke Lagen von Ziegen- und Schafdünger gefunden, der für die Düngung der Felder aufbewahrt worden war.

DÜNGER IM MITTELALTER

Im Mittelalter, einer Zeit, in der mehr Abfälle und Fäkalien in den Straßen der Städte landeten als auf den Äckern, verschärfte sich das Problem mangelnder Nährstoffversorgung in der Landwirtschaft. Katastrophale Missernten und Hungersnöte stellten die Folge von einseitiger und intensivierter Nutzung der Anbauflächen, verbunden mit mangelnder Rückführung von Nährstoffen, dar. Die Dreifelderwirtschaft, die in Mitteleuropa über das gesamte Mittelalter hinweg praktiziert wurde, kannte zwar das Düngen der Äcker - dies geschah allerdings nur alle 6, 8 oder 12 Jahre. Dabei wurde hauptsächlich Dung von Pferden und Rindern auf die die Flächen ausgebracht, meist mit Hilfe sogenannter Dungschlitten oder Dungkästen, von denen einer auf jede Seite des Packsattels eines Pferdes gehängt wurde. Den Boden dieser Dungkästen konnte man öffnen, so dass der Dung aus ihm heraus aufs Feld fallen konnte, wo er mittels einer Mistgabel ausgebreitet wurde. Um den übers Feld ausgebreiteten Mist noch besser zu zerstreuen und zu zerquetschen, brauchte man häufig ein Bündel von zusammengebundenen dürren Zweigen, das über die Felder geschleppt wurde.

Während des Mittelalters begannen auch Alchemisten damit, nach Rezepten zu forschen, wie man künstlich die Erträge in der Landwirtschaft steigern konnte. In der Neuzeit wurde daraus die wissenschaftliche Disziplin der sogenannten Agrikulturchemie: die Untersuchung der Ernährungsphysiologie der Pflanze und des Nährstoffangebots des Bodens.

DIE NEUZEIT - LIEBIGS KUNSTDÜNGER

Was die Alchemisten des Mittelalters nicht schafften, und was auch in den Jahrhunderten nach der Entdeckung Amerikas nicht gelang, erreichte der in Darmstadt geborene Chemiker Justus von Liebig (1803-1873): Die Entwicklung und Herstellung eines Kunstdüngers. Als erster erkannte er die wachstumsfördernde Wirkung von Stickstoff, Phosphaten und Kalium. Doch seine entscheidende Leistung bestand darin, dass er im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen auch anorganische Stoffe als Nährstoffe der Pflanzen erkannte: einfache Salze und Säuren und nicht komplizierte organische Verbindungen. Damit war der Weg frei für die industrielle Herstellung von 'künstlichen' Düngemitteln. Stickstoff erhielt man in Form von Nitraten zunächst vor allem durch den Einsatz von Guano, einer Substanz, die sich aus den Exkrementen von Seevögeln bildete. Da die Guanovorräte jedoch begrenzt waren und größtenteils aus Südamerika eingeführt werden mussten, sann man auf eine Methode, Nitrate synthetisch zu erzeugen.

Liebigs 'Agriculturchemie' bereitete in den nächsten Jahrzehnten den Weg für alle wesentlichen Entdeckungen der Düngemittelindustrie. So gelang es Adolph Frank (1834-1916), das Kalisalz für die Landwirtschaft zu erschließen. Das im Kalisalz gebundene Kalium ist einer der wichtigsten Nährstoffe für Pflanzen. Dem Chemiker Wilhelm Ostwald (1853-1932) gelang 1900 die Ammoniaksynthese - allerdings nicht in einem industriell umsetzbaren Verfahren. Erst der Chemiker Fritz Haber entwickelte zwischen 1905 und 1908 die katalytische Ammoniak-Synthese. Dem Industriellen Carl Bosch gelang es daraufhin, ein Verfahren zu finden, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte. Das Haber-Bosch-Verfahren bildete die Grundlagen der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger, dem sogenannten 'Kunstdünger'.

Seit dem Zweiten Weltkrieg brachte die Industrie immer wirksamere und gezielter einsetzbare chemische Düngemittel auf den Markt. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts geriet der synthetische Dünger jedoch zunehmend in die Kritik, da seine übermäßige Verwendung für verschiedene ökologische Schäden wie die Ermüdung des Bodens, Sauerstoffmangel und Fischsterben verantwortlich gemacht wurde. Seit ca. 1985 sinkt der Verbrauch von mineralischen Düngemitteln in Deutschland stetig.

AUSBLICK - DIE ZUKUNFT DES DÜNGENS

Zwar hat Justus von Liebig die Grundnährstoffe, die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen, entschlüsselt - doch damit wurde die Forschung und Weiterentwicklung in Sachen Düngemittel keineswegs beendet. Ganz im Gegenteil: Da der Bedarf an Düngemitteln weltweit steigt und die Erträge dem Bevölkerungswachstum auf der Erde angepasst werden müssen, wird das Thema Pflanzendünger in den kommenden Jahren besonderes Gewicht bekommen. Die Form, in der Düngemittel seit dem 19. Jahrhundert den Kulturpflanzen auf unseren Äckern verabreicht werden, ist relativ 'be-Liebig': es wird in den seltensten Fällen bedarfsgerecht gedüngt, da eine kulturspezifische Düngung sehr genaue Kenntnisse der chemischen, ökologischen und biologischen Voraussetzungen erfordert. Und da das Erlangen dieser Kenntnisse oft mit großen Investitionen verbunden ist, wird auf den meisten Agrarflächen einfach nach dem 'Gießkannenprinzip' gedüngt. So sind die Pflanzen im Idealfall mit allem versorgt, was sie für ihr Wachstum benötigen - allerdings kommt es häufig auch zu einer starken 'Überdüngung' mit manchen Nährstoffen. Außerdem kommen weltweit nach wie vor Millionen Tonnen Düngesalze zu Einsatz, die langfristig die Böden veröden und versalzen und damit unfruchtbar machen. Hier liegt das Paradoxon: der weltweit steigende Bedarf an Lebensmitteln fördert den Einsatz von synthetischen Düngemitteln, die wiederum den Boden zerstören, wodurch die Gefahr von Hunger steigt - von der Verschmutzung unserer Flüsse, Seen und Meere mal ganz abgesehen, in die schließlich ein Großteil der leicht löslichen Düngesalze durch Auswaschung gelangt.


Was ist die ökologisch sinnvolle Alternative? Biologische Dünger aus organischem Material sind teuer (sie kosten ca. 5-mal so viel wie synthetische Düngemittel) und sind dadurch, dass sie im Boden meist erst umgewandelt werden müssen, auch nicht so effizient wie ihre synthetisch-mineralischen Konkurrenten. Zwar wächst die Anzahl der biologisch arbeitenden Betriebe, aber für die Biobauern ist es nicht einfach, die Vorgaben und Richtlinien der diversen Verordnungen zu erfüllen: Um den Stickstoffbedarf ihrer Gemüsepflanzen zu decken, müssen die Biobauern meist auf Bio-Dünger aus dem Handel zurückgreifen. Denn selbst hergestellte Bio-Dünger wie Kompost und Mist enthalten meist nicht die gewünschte Menge an Nährstoffen und dürfen nur in geringen Mengen ausgebracht werden. Beispiel: Pro Hektar Ackerland darf ein Bio-Betrieb in drei Jahren nur ca. 25 Tonnen Kompost als Dünger einsetzen - das entspricht gerade mal einer ca. 1 cm hohen Schicht. Da der Biobauer aber auch die Humusbildung vorantreiben soll bzw. will, kann er auf den Einsatz von Kompost keinesfalls verzichten, denn handelsübliche Biodünger wie Vinasse, Algenextrakte, Horn- oder Federmehl usw. förden zwar die Humusbildung, weil sie das Bodenleben aktivieren, haben aber keine eigene Humusmasse wie z.B. der Kompost. Die Frage ist auch, ob - anders als in privaten Gärten - der anfallende Bio-Abfall ausreicht, um alle Ackerflächen der Welt mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen. Andererseits reichen beispielsweise die weltweiten Phosphor-Vorräte noch für ca. 80 Jahre - es muss also auf jeden Fall eine Alternative her.

Viele Wissenschaftler raten deshalb dazu, alle verfügbaren Nährstoffressourcen nutzen, vor allem auch menschlichen Harnstoff. Ein einzelner Mensch produziert pro Jahr genügend Phosphor-Flüssigdünger für ca. 250 kg. Weizen. Das Problem besteht dabei vor allem darin, das 'Gelbwasser' (so nennen Wissenschaftler den Urin) zu separieren und von Pathogenen (Viren, Bakterien usw.) und pharmazeutischen Rückständen zu befreien. Für beides hat man schon praktikable Lösungen (Stichwort: 'NoMix-Toilette') gefunden, die aber bislang nicht zum Einsatz kommen. Dass diese Techniken nicht angewandt werden und der menschliche Urin noch nicht als Dünger genutzt wird, hat eine weitere ökologische Katastrophe zur Folge: vor allem dort, wo es keine Kläranlagen gibt (und die sucht man in den meisten Ländern der Erde vergeblich), gelangen riesige Mengen Nährstoffe in Form von Kot und Urin in die Flüsse und Meere, wo sie zur Überdüngung beitragen. Der Handlungsbedarf ist hier immens - und natürlich sollte auch in andere Richtungen nach einer Alternative zu den chemisch-synthetischen Düngern geforscht werden. Denn eine nachhaltige, rein biologische Düngung, wie sie im privaten Biogarten durchaus möglich ist, liegt für die weltweite Landwirtschaft noch in weiter Ferne.

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3. WARUM DÜNGEN?


In der Wildnis muss nicht gedüngt werden - der ungezähmte 'Garten der Natur' versorgt sich selbst mit ausreichend Nährstoffen, um sich immer wieder selbst zu erneuern. Abgestorbene Pflanzenteile, Blätter, zerfallendes Totholz usw. geben die Nährstoffe, die sie in ihrem kurzen oder langen Leben der Erde und der Luft entzogen haben, während ihrer Zersetzung langsam wieder an den Boden zurück. Millionen und Abermillionen von Mikroorganismen, Bakterien, Pilze und Kleinlebewesen, die den Boden bevölkern, sorgen dafür, dass wertvoller Humus entsteht, der für kommende Pflanzengenerationen als Nährboden zur Verfügung steht. Anders ist das auf den Ackerflächen und in den Gärten, die der Mensch kultiviert: Hier unterbrechen wir den natürlichen Kreislauf und 'bestehlen' die Natur, indem wir die Pflanzen ernten und abtransportieren. Damit werden die Nährstoffe buchstäblich 'vom Feld getragen'. Würden wir den Boden in der Folge nicht düngen, würde er innerhalb kurzer Zeit ausgelaugt und die Pflanzen Hunger leiden. Damit Mengelerscheinungen gar nicht erst entstehen können, müssen wir dem Boden die Nährstoffe zurückgeben, die wir ihm vorher entzogen haben. Doch wie düngt man richtig - vor allem im Biogarten?


GESUNDE PFLANZEN DURCH GESUNDEN BODEN

Auch im Biogarten geht es nicht ohne Dünger und Bodenpflege. Würde man seinen Nutzgarten einfach dem Schicksal überlassen, wäre er in kürzester Zeit überwuchert von Wildpflanzen, die widerstandsfähiger und kräftiger sind als unsere empfindlichen, sensiblen Kulturpflanzen. Wer also eine reiche Ernte einfahren will, der muss etwas unternehmen. Der wichtigste Grundsatz des Düngens im Biogarten lautet: Nicht die Pflanze wird gedüngt, sondern der Boden. Denn ein gesunder, nährstoffreicher Boden  bildet die Grundlage für die Fruchtbarkeit unserer Felder und Beete. Der Idealzustand des Bodens ist die sogenannte 'Bodengare', ein krümeliger, tief lockerer, dunkelbrauner Boden, in dem es von Mikroorganismen, Bakterien und Kleinstlebewesen nur so wimmelt. Zusammen mit den wichtigsten 'kostenlosen' Helfern des Gärtners, den Regenwürmern, schaffen diese Lebewesen die stabilen Ton-Humus-Komplexe, ohne die es keine Fruchtbarkeit gibt. Ziel der Düngung im Biogarten ist deshalb die Bodenverbesserung, die zur Erhaltung und Vermehrung der Bodenlebewesen und ihrer Aktivität beiträgt.

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4. WELCHE DÜNGERARTEN GIBT ES?

Im Allgemeinen unterscheidet man Dünger nach der Art, wie die düngenden Stoffe gebunden sind bzw. nach der Form des Düngers (Feststoff- oder Flüssigdünger). Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal kann auch die beabsichtigte Wirkung des Düngers sein  (schnellwirkender Dünger, Langzeit- oder Depotdünger). Es gibt organische und mineralische Dünger. Der Begriff 'Kunstdünger' ist mißverständlich und wird häufig falsch interpretiert: Als 'Kunstdünger' sollten eigentlich nur synthetisch hergestellte und wasserlösliche Düngesalze bezeichnet werden. Diese Düngesalze haben eine ganze Reihe von Nachteilen für die nachhaltige Landwirtschaft und den Zustand des Bodens, weshalb sie in jedem Fall gemieden werden sollten. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Mineraldünger mit künstlichen oder synthetischen Düngern gleichgesetzt werden. Denn auch im Biogarten kommen Mineraldünger zum Einsatz, zum Beispiel Kalkmehl, Kali, Basalt- und Korallenmehl usw.

ANORGANISCHE DÜNGER


Die anorganischen bzw. sogenannten Mineraldünger machen einen Großteil der verwendeten Düngemittel auf der Welt aus. Da in diesen Düngern, deren Ausgangsstoffe meist bergmännisch gewonnen werden, die düngenden Stoffe in Form von Salzen vorliegen, spricht man auch von 'Düngesalzen'. Bevor die Mineralstoffe als Dünger verwendet werden können, werden sie in der Regel chemisch verändert (z.B. Haber-Bosch-Verfahren, s.o.) bzw. 'veredelt'. Das größte Problem bei der Herstellung von Düngesalzen ist die Verfügbarkeit und Aufschließung von Rohphosphaten. Für die Herstellung hochwertiger Mineraldünger benötigt man möglichst schwermetallarmes, weitgehend uranfreies Rohphosphat. Da aber Uran und Phosphat chemisch sehr eng aneinander gebunden sind, ist die Beschaffung noch schwieriger. Hier steht die Welt vor einem der größten Ressourcenproblemen der Neuzeit, denn seit dem Beginn der industriellen Revolution schwinden die Phosphatreserven in atemberaubendem Tempo. Viele Lagerstätten (z.B. auf der Pazifikinsel Nauru) sind nahezu erschöpft. Nach Schätzungen reichen die Vorräte auf der Erde noch für ca. 80 Jahre - allerdings nur bei konstantem Verbrauch. Doch nicht nur die enge Bindung an Uran, sondern auch der meist hohe Cadmiumgehalt lassen die Verwendung mineralischer Phosphatdünger fragwürdig erscheinen: Die Schwermetalle und radioaktiv belasteten Substanzen gelangen auf diese Weise in die menschliche Nahrungskette.

Neben den Gefahren durch mineralisches Phosphat und die schwindenden Reserven verwendbarer Phosphate gibt es zwei weitere Aspekte, die gegen die Verwendung von Düngesalzen sprechen: Als erstes wäre hier der hohe Energiebedarf für die Herstellung und Veredelung dieser Dünger zu nennen. Moderne Düngemittel-Werke benötigen umgerechnet ca. 0,8 Liter Heizöl für die Herstellung von 1 kg Stickstoff (in Form von Ammoniumnitrat oder Ammoniak). Die Verarbeitung von Harnstoff benötigt ca. 0,93 kg Heizöl. Der zweite Grund, auf Düngesalze zu verzichten, ist die Veränderung des osmotischen Drucks innerhalb der Pflanzen, denen die Nährlösung zugeführt wird. Im Gewebe der Pflanzen sammelt sich mehr Wasser, wodurch es aufgeschwemmt, kraft- und widerstandslos wird. Pflanzen, die mit solchen Nährsalzen gefüttert werden, sind häufig auch weniger nahrhaft, bauen weniger Aroma auf und schmecken oft genug nach Wasser.  Da durch die mangelnde Zufuhr an organischem Material das Bodenleben nicht mehr gefördert wird, verarmt es schnell - und dies wiederum zieht einen schnellen Humusverbrauch nach sich. Die Vorteile anorganischer Dünger sind: Ihre schnelle Wirksamkeit (die Nährstoffe können von den Pflanzen umgehend aufgenommen werden), eine kurz- bis mittelfristige Ertragssteigerung und ein verhältnismäßig günstiger Preis.

ORGANISCHE DÜNGER

Die organische Düngung hat im Gegensatz zur anorganischen Düngung das Ziel, das Bodenleben und damit den Humusaufbau zu fördern. Damit entspricht die organische Düngung dem biologischen Kreislauf der Natur. Die verfügbaren Nährstoffe werden nur langsam aus dem organischen Material gelöst (sozusagen nach Bedarf). Überschüssige Nährstoffe werden nicht so schnell ausgewaschen, da sie vom Humus und den darin lebenden Mikroorganismen festgehalten werden. Im Prinzip machen wir durch eine organische Düngung die Bodenlebewesen zu unseren kostenlosen Helfern, denen wir einen Großteil der Arbeit im Boden bedenkenlos überlassen können. Bei den organischen Düngern sind die löslichen Nährstoffe fast immer an Kohlenstoff gebunden (in diesem Zusammenhang ist auch die Fruchtbarkeit der 'Terra Preta' zu betrachten). Fast ausnahmslos sind die organischen Dünger pflanzlichen oder tierischen Ursprungs; es gibt allerdings auch synthetisierte organische Dünger, wie z.B. Harnstoff. Im Prinzip kann sämtliches organisches Material als Dünger eingesetzt werden, z.B. Blätter, Rasen- und Strauchschnitt, Mist, Gülle, Knochenmehl, Algen, Küchenabfälle, Klärschlamm, Vinasse, Baumrinde, Holzkohle, Asche, Guano, Kompost usw. Auch die 'Gründüngung', also das gezielte Anpflanzen von nährstoffbindenden und  -sammelnden Pflanzen, gehört zu den organischen Düngern. von Organische Düngung ist immer eine langfristige (und nachhaltige) Düngung, weshalb ihre Wirkung auch schwieriger vorauszuberechnen ist. Zudem ist organischer Dünger nicht in beliebiger Mange zu beschaffen (die heute weltweit beackerten Flächen könnten gar nicht ausreichend organisch gedüngt werden), und der Preis für organischen Dünger ist im Durchschnitt fünfmal so hoch wie für synthetische Dünger.

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5. ZUSAMMENSETZUNG VON DÜNGERN


Die Zusammensetzung von Düngern entspricht im Idealfall genau dem Nährstoffbedarf der Pflanzen. Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bezieht die Pflanze direkt aus der sie umgebenden Luft. Doch welche weiteren Nährstoffe benötigen Pflanzen? Die Grundversorgung erfolgt durch die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium. 'N' ist das chemische Zeichen für Stickstoff, 'P' für Phosphor und 'K' für Kalium. Dementprechend werden die sogenannten Volldünger, die diese drei Hauptnährstoffe liefern, als NPK-Dünger bezeichnet. Die Zahlenfolge hinter den chemischen Zeichen gibt die Konzentration der jeweiligen Nährstoffe in Prozent an. Ein typischer Volldünger hat zum Beispiel die Werte NPK 4-3-6, d.h. er enthält 4% Stickstoff, 3% Phosphor und 6% Kalium. Neben der Konzentration der einzelnen Nährstoffe ist auch das Verhältnis der Stoffe zueinander sehr wichtig. Denn während Stickstoff vor allem für das Wachstum der Pflanze wichtig ist, sorgt Phosphor für eine reiche Blüte und Fruchtbildung und Kalium für ein starkes Wurzelwachstum, den Aufbau des Zellgewebes und einen funktionierenden Stoffwechsel. Will man zum Beispiel eine reine Grünpflanze düngen, dann kann man auf einen phosphorreduzierten Dünger zurückgreifen. Blühpflanzen und Gemüse benötigen einen ausgelichenen Nährstoff- bzw. höheren Phosphoranteil, damit sie reichlich blühen, nicht 'ins Kraut schießen', und einen vernünftigen Ertrag bringen. Kakteen beispielweise wiederum benötigen einen wesentlich höheren Phosphoranteil im Verhältnis zum Stickstoffanteil (ebenso Bonsaipflanzen), weil starkes Wachstum hier nicht gewünscht ist.

Neben den drei Hauptnährstoffen sind die Pflanzen auf zahlreiche Spurenelemente angewiesen. Dazu gehören in erster Linie Magnesium, Calcium, Schwefel und Eisen, aber auch Kupfer, Molybdän, Bor, Zink, Kobalt und viele weitere Stoffe in kleinsten Mengen. Diese Spurenelemente sind für die Pflanzen ebenso überlebenswichtig wie die Vitamine für den menschlichen Körper. Magnesium ist eines der wichtigsten Spurenelemente - es ist maßgeblich an der Bildung des Blattgrüns beteiligt und begünstigt die Lösung des Phosphors im Boden. Viele Volldünger enthalten Magnesium als wichtige Beigabe - es wird dann als vierte Zahl angegeben, also z.B. NPKMg 10-4-15-3. Die meisten Spurenelemente sind in einem gesunden Boden ausreichend vorhanden und sollten nur bei tatsächlichem Bedarf bzw. Feststellung eines Mangels gedüngt werden. Für viele der erwähnten Spurenelemente gibt es Einzel- bzw. Spezialdünger. Durch das regelmäßige Einarbeiten von Kompost gelangt zudem genügend Nachschub an Spurenelementen in den Gartenboden.

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6. ÖKOLOGISCHE DÜNGER FÜR DEN BIOGARTEN


Für die Gesunderhaltung des Bodens und den Nährstoffbedarf der Zier- und Kulturpflanzen im Biogarten kann man eine ganze Reihe ökologisch sinnvoller Maßnahmen ergreifen. Beim Düngen mit Wirtschaftsabfällen vom eigenen Hof oder Garten kann ein geschlossener Kreislauf entstehen - das ist die nachhaltigste Form der Bewirschaftung von Acker- und Gartenflächen. Dünger für den Biogarten können pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs sein.
Zu den Bio-Düngern pflanzlichen Ursprungs gehören: Gründüngung, Algen, Pflanzenjauchen, Holzasche, Niemsamen, Rizinusschrot, kompostierte Pflanzenreste, Vinasse, Kohle usw. Tierische Dünger sind Rindermist, Pferdemist, Schweine- oder Geflügelmist, Horn-, Blut- oder Knochenmehl (z.B. Hornspäne), Jauche, Guano, tierische Harnstoffe usw. Problematisch bei der Verwendung ökologischer Dünger ist die Herkunft der Ausgangsmaterialien: Besonders bei Mist und Horn- oder Knochenmehl müsste man wissen oder überprüfen, ob die Tiere aus einwandfreier bzw. naturgemäßer Viehhaltung stammen (sofern dies überhaupt möglich ist). Hühnermist aus großen Legebatterien, in denen die Tiere mit Medikamenten vollgepumpt werden, möchte man sicherlich nicht in seinem Biogarten haben. Und auch der Mist von Pferden oder Rindern kann stark mit Medikamenten, z.B. Antibiotika, belastet sein. Ein Problem der besonderen Art haben Veganer: Im Biogarten eines überzeugten Veganers kommen Düngemittel tierischen Ursprungs nicht in Frage, was seine Handlungsfähigkeit in puncto Nährstoffversorgung seiner Pflanzen deutlich einschränkt. Umso wichtiger ist hier die Einrichtung eines guten Komposthaufens, der nicht nur mit Grünschnitt und Pflanzenresten aller Art gefüttert werden sollte, sondern auch mit Steinmehl, Kalk, Asche und Holzkohle - denn nur so erhält er alle Nährstoffe in ausreichendem Maß. Als Flüssigdünger eignet sich beispielsweise auch unser Bio-Dünger, der hauptsächlich aus Vinasse besteht und keinerlei Stoffe tierischen Ursprungs enthält. Ein Biogärtner, der sicher sein möchte, keine Schadstoffe in seinen Garten einzuschleppen (außer denen, die sowieso durch die Atmosphäre in das System gelangen), wird vermutlich vollkommen auf die Einbringung 'fremder' Düngemittel verzichten und versuchen, einen eigenen, tragfähigen Nährstoffkreislauf in seinem Garten einzurichten.
Neben den organischen Bio-Düngern sind auch die mineralischen Dünger von großer Bedeutung für den Biogärtner. In der Natur gibt es eine große Zahl von Gesteinen, die abgebaut und als Dünger nutzbar gemacht werden. Dazu gehören vor allem Kalk, Kalisalze und Rohphosphat. Je natürlicher und unbehandelter der Zustand der Mineralstoffe ist, desto ökologischer ist ihr Einsatz. Der wichtigste Grundsatz für die Verwendung mineralischer Dünger im Biogarten lautet, sie nur dann einzusetzen, wenn sich tatsächlich ein Mangel zeigt. Die meisten unserer Kulturböden, vor allem in den gemäßigten Zonen der Erde, sind ausreichend mit Kalk, Phosphor und Kali versorgt. Wer einen gepflegten Humusboden hat, der kann meist auf den Einsatz zusätzlicher Mineraldünger verzichten - hier reicht eine Kompostgabe im Frühling oder Herbst.

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7. BIO-DÜNGER SELBER HERSTELLEN


Für den Großteil der Biogärtner ist der eigene Kompost der wichtigste Dünger im Biogarten: Ein gut aufgesetzter Kompost enthält alle wichtigen Nährstoffe und kann letzten Endes zu einer gesunden Kreislaufwirtschaft im Garten führen. Neben dem eigenen Kompost kann der Biogärtner aber auch andere effiziente Dünger herstellen: An erster Stelle wären hier die Pflanzenjauchen zu nennen. Aus frisch geernteten Brennesseln kann eine sehr stickstoff- und kalihaltige Flüssigdüngung hergestellt werden, die vor allem Starkzehreren wie Tomaten und Kohl in der Wachstumsphase guttut. Brennesseljauche fördert die Chlorophyllbildung der Pflanzen, intensiviert das Bodenleben und die Regenwurmtätigkeit und wirkt wachstumsfördernd und ausgleichend. Aber auch Beinwell (Comfrey), eine stark eiweißhaltige Pflanze, kann verjaucht werden. Die fertige Brühe ist ein hervorragendes Dünge- und Pflanzenstärkungsmittel, die ebenfalls sehr kali- und stickstoffhaltig ist. Natürlich kann man die Blätter von Brennessel und Beinwell miteinander mischen, oder auch andere Pflanzen wie Rainfarn, Wurmfarn, Zwiebeln und Knoblauch hinzugeben. Zwiebelschalen beispielsweise enthalten sehr viele Nährstoffe, die durch das Ansetzen in kaltem Wasser und späteres Auskochen herauslösen lassen und dann als Flüssigdünger eingesetzt werden können. Bei den Jauchen und Auszügen (Pflanzenextrakten) ist die Grenze zwischen Dünger und Hilfsmittel bzw. Stärkungsmittel oft fließend. Jauchen aus Rainfarn, Ackerschachtelhalm und Knoblauch gehören eher zu den biologischen Pflanzenstärkungsmitteln und können gegen allerlei Schädlinge wie Blattläuse, Blutläuse, Milben, Weiße Fliegen usw. als Spritzmittel eingesetzt werden. Da der Nährstoffbedarf der Pflanzen in jedem Garten unterschiedlich ist, sollte der Biogärtner seine Jauchen entsprechend der Verhältnisse vor Ort ansetzen.

REZEPTE FÜR BRENNESSELJAUCHE
(identisch für Beinwelljauche)
Zutaten:

  • 1 Fass aus Holz, Kunststoff oder Steingut (nicht Metall, da unerwünschte Reaktionen entstehen können)
  • 10 kg frisches Brennesselkraut pro 50 l Wasser (vor oder während der Blüte geschnitten)
  • Regenwasser
  • 2 Handvoll Steinmehl
  • 1 Drahtgitter oder engmaschiges Netz zum Abdecken

Ansatz:
Das Brennesselkraut grob zerkleinern (mit der Gartenschere zerschneiden) und in die Jauchetonne geben. Das Wasser in entsprechender Menge auffüllen (höchstens bis 4/5 der Höhe des Gefäßes, da die Jauche schäumt) und das Steinmehl hineingeben. Mit dem Gitter oder Netz abdecken, damit keine Tiere in die Jauche fallen können. Die Jauche sollte täglich umgerührt werden, damit Sauerstoff in den Zersetzungsprozess gelangt. Die Jauche ist nach ca. anderthalb bis zwei Wochen fertig, wenn sie eine dunkle Farbe angenommen hat und nicht mehr schäumt. Sie kann dann durch ein Sieb gegossen werden, um die groben Rückstände herauszufiltern. Vor Gebrauch muss die Jauche auf jeden Fall mindestens 1:10 oder, bei höherer Konzentration, auch 1:20 verdünnt werden - sonst besteht die Gefahr, die Pflanzen zu verbrennen!

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8. GEFAHREN DES DÜNGENS

Grundsätzlich ist zu bedenken, dass jede Düngung eine mehr oder weniger große Auswirkung auf die Ökologie des Bodens hat. Einer der wichtigsten Grundsätze lautet deshalb, nur dort zu düngen, wo der Boden verarmt ist, eine Mangelerscheinung an den kultivierten Pflanzen auftritt oder der Ertrag gesteigert werden soll. Viele Gartenböden sind stark überdüngt, und in manchen Gärten sind durch unsachgemäße Düngung (z.B. von zuviel Kalk oder Phosphor) nahezu irreparable Schäden entstanden. Wir empfehlen immer, zuerst eine Bodenanalyse durchzuführen, bevor man Dünger ganz gleich welcher Art auf den Boden ausbringt. Denn auch mit biologischen Düngern kann der Boden überdüngt werden! Zu hohe Düngergaben haben mindestens genauso katastrophale Auswirkungen auf den Boden und das Pflanzenwachstum, wie ein akuter Nährstoffmangel. Der Biogärtner sollte sich immer darüber im Klaren sein, dass er viel Verantwortung für 'sein Gartenreich' trägt und er nur 'Besucher' auf seiner Parzelle Land ist. Nachfolgende Generationen (als erstes meist die eigenen Kinder) möchten den Boden weiterkultivieren und ebenfalls gesunde Pflanzen ernten. Nicht zu vergessen, dass heute immer noch ein Großteil der Bodenverbesserer und Dünger unter hohem Energieeinsatz gewonnen wird. Deshalb immer mit Bedacht und Vorsicht düngen und daran denken, dass die Dosis das Gift macht! Schonende Verfahren der Fruchtbarkeitserhaltung und Verbesserung der Bodengare sind die regelmäßige Gründüngung, das Ausbringen von reifem Kompost (ca. 300-400 Gramm pro Quadratmeter und Jahr) und das Mulchen mit Grün- und Rasenschnitt. Jede hausgemachte Düngung ist deshalb einem eingeführten Produkt vorzuziehen. Der ideale Zustand ist natürlich ein komplett geschlossener Kreislauf, für dessen Erreichen aber einiges an Wissen nötig ist. Vielen Gärtnern fehlt auch der Platz oder das Material, um so einen geschlossenen Kreislauf herzustellen. Diese Gärtner sollten dann auf milde, die Bodenorganismen schonende Bio-Dünger zurückgreifen.

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