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Pflanzen aus Samen ziehen

ÜBERSICHT DER INHALTE

1. Warum Pflanzen aus Samen ziehen?
2. Ein Samen - was ist das und woraus besteht er?
3. Vorbereitung: Auswahl des Saatguts
4. Vorbereitung: Auswahl der Aussaatbehälter
5. Vorbereitung: Auswahl des Substrates
6. Aussaat und Keimung: Methoden und Hilfsmittel
7. Vereinzeln und Umtopfen



1. WARUM PFLANZEN AUS SAMEN ZIEHEN?

Auf den ersten Blick mag das Ziehen von Pflanzen aus Samen als eine schwierige, langwierige und arbeitsintensive Aufgabe erscheinen. Und tatsächlich ist eine gute Portion Muße, Geduld und Fachkenntnis erforderlich, um bei der Anzucht von Jungpflanzen aus eigenem oder gekauftem Saatgut erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite ist diese Arbeit äußerst lohnend - und damit meinen wir nicht nur den monetären Aspekt. Eine Pflanze von ihrer Aussaat über die Keimung bis zum Auspflanzen in den Garten zu begleiten, ist etwas ganz Besonderes. Es verschafft dem Gärtner eine tiefe Befriedigung und erfüllt ihn mit Stolz, wenn seine Arbeit durch eine reiche Ernte, ein atemberaubendes Blütenmeer oder das Staunen der Zaungäste belohnt wird. Manche Gärtner bauen zu ihren Pflänzchen während der Aufzucht eine intensive Beziehung auf - wie zu einem Kind. Dabei sind die verschiedenen Stadien der Entwicklung nach der Aussaat immer wieder von emotionalen Hochs und Tiefs geprägt: Die Freude, die man empfindet, wenn der erste Sämling in einer Saatschale den Kopf aus der Erde streckt, oder die Trauer, die einen befällt, wenn durch übermäßiges Gießen die kleinen Schützlinge in wenigen Tagen eingehen. Es ist eben ein Erlebnis, das alle Facetten eines Abenteuers hat, und dessen Reiz irgendwo zwischen 'alles ist möglich' und 'es gibt so vieles auszuprobieren' liegt. Die Herausforderung liegt darin, Erfolg zu haben. Dazu ist eine gewisse Kenntnis der Voraussetzungen und Techniken der Aussaat und Anzucht von Pflanzen nötig - doch bevor auf diese Aspekte detaillierter eingehen, möchten wir Ihnen noch ein paar handfeste Gründe für die eigene Aussaat von Nutz- und Zierpflanzen liefern:

1. Frühere Ernten
Als Gärtner ist man in der Wahl des Aussaatzeitpunktes und damit auch des Erntebeginns flexibel und unabhängig. Durch Aussaat auf der Fensterbank, im Frühbeetkasten oder Gewächshaus kann man sich einen großen Vorteil gegenüber jenen verschaffen, die ihre Gemüse- oder Zierpflanzen im Baumarkt oder Gartencenter kaufen (müssen). In unserem eigenen Garten sind die Tomatenpflanzen fast jedes Jahr schon 30 cm hoch, wenn gerade erst der Jungpflanzenverkauf im Gartencenter oder auf den Wochen- und Bauernmärkten beginnt. Je früher der Aussaatzeitpunkt und der Erntebeginn, desto höher der Ertrag.

2. Größere Arten- und Sortenvielfalt
Wer auf den Kauf von Jungpflanzen aus kommerziellen Zuchtbetrieben angewiesen ist, kann nur aus einem winzigen Teil der Arten- und Sortenvielfalt wählen, die heutzutage dem Gärtner zur Verfügung steht. Die Auswahl ist auch in Bezug auf andere Aspekte eingeschränkt: Während ein Gärtner, der seine Gemüsepflanzen selbst aus Samen zieht, die Möglichkeit hat, Pflanzen nach Form, Farbe, Geschmack, besonderen Nährstoffen oder ihrer Lagerfähigkeit auszuwählen, bleibt dem Käufer von kommerziellen Jungpflanzen nur die Wahl zwischen den Pflanzen, die der Zuchtbetrieb vorher ausgewählt hat. Dass heutzutage fast ausschließlich Pflanzen aus Hybridsaatgut (sog. F1-Hybriden; F1=1. Filial-/Kindergeneration) angeboten werden, ist ein weiterer Grund, seine Pflanzen selbst zu ziehen. Denn in puncto Geschmack und Inhaltsstoffe bleiben diese Hybridsorten fast immer hinter den samenfesten, historischen Sorten zurück.

3. Kräftigere und gesündere Pflanzen
Pflanzen, die selbst gezogen werden, wachsen meist schneller und werden widerstandsfähiger als gekaufte. Sie passen sich besser an ihre Umgebung an und wachsen von Anfang an in den klimatischen Bedingungen heran, die auch später für sie gelten. Zudem vermindert die eigene Anzucht den unfreiwilligen Import von kontaminierter Erde und damit verbundener, bodenbürtiger Krankheiten. Der Großteil der heute verfügbaren, kommerziell gezüchteten Jungpflanzen wachsen unter künstlichen 'Idealbedingungen' an, z.B. in großen, beheizten Gewächshäusern. Viele Jungpflanzen wie z.B. Tomatensetzlinge werden im mediterranen Klima Südspaniens aufgepäppelt, um dann mit Lastwagen quer durch Europa in unsere Gartencenter und Baumärkte gebracht zu werden - das hat mit 'Bio' und ökologischem Wirtschaften nichts zu tun, denn die Ökobilanz solcher Transportwege und -mittel ist katastrophal. Wer selber aussät und bei der Aufzucht alles richtig gemacht hat, erhält also nicht nur kräftigere und gesündere Pflanzen, sondern schont auch die Umwelt.

4. Kostenersparnis
Vor allem große Gärten benötigen immer wieder eine große Zahl von Setzlingen. Das gilt natürlich genauso für Gemüsepflanzen wie für Stauden und Einjährige. Wer nur einen kleinen Balkon mit zwei Blumenkästen hat, der mag den Kauf von fertigen Setzlingen vorziehen. Doch bei Pflanzungen von mehreren hundert Quadratmetern ist dies praktisch unerschwinglich. Wir haben es mal ausgerechnet: Für den Preis von 5 Setzlingen im 9 x 9 cm-Topf (bei einem Preis von EUR 3,50 pro Stück) können wir 30 bis 50 Setzlinge in 9 x 9 cm-Töpfen anziehen (Arbeitszeit natürlich nicht eingerechnet). Zudem ist die Nachzucht von Pflanzen der gleichen Spezies aus selbst gewonnenem Saatgut immer wieder möglich, ohne überhaupt Geld für Samen ausgeben zu müssen (bei samenfesten Sorten). Wenn die Keimrate gut ist, hat man oft mehr Sämlinge, als man benötigt. Diese kann man eventuell gegen Sämlinge vom Nachbarn tauschen und so die Artenvielfalt im eigenen Garten erhöhen.





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2. EIN SAMEN - WAS IST DAS UND WORAUS BESTEHT ER?

Vielleicht halten Sie gerade ein paar Samentütchen in der Hand und überlegen, mit welchen Pflanzen Sie die Anbausaison in diesem Jahr beginnen wollen. Doch bevor Ihre Ungeduld in Aktionismus umschlägt, halten Sie kurz inne und machen Sie sich klar, was ein Samen eigentlich ist: Dieser harte oder weiche, winzig kleine oder erbsengroße, runde oder kantige, geriffelte oder gekerbte, glatte oder raue Partikel, der ebenso leblos wirkt wie der spätwinterliche Garten draußen vor Ihrer Tür. Leblos? Keineswegs! Ein Samen wird nicht lebendig, wenn Sie ihn säen. Ein Samen ist lebendig! Jedes Samenkorn, und sei es noch so klein, enthält eine kleine Pflanze. Natürlich ist dieses Embryo nur rudimentär vorhanden - aber es lebt und ist keineswegs passiv. Es wurde nachgewiesen, dass Samen beispielsweise Wasser aus der Luft absorbieren, um einen Teil der Kohlenhydrate, die in ihnen eingelagert sind, in Nährstoffe umzuwandeln. Sie absorbieren Sauerstoff und geben kleinste Mengen Kohlendioxid ab. Auf diese Weise erhalten Sie sich und ihre Keimfähigkeit, bis für das Pflänzchen der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, das Licht der Welt zu erblicken. Ein Samen ist ein geschlossenes System, der in den Grenzen seiner schützenden Schale alles auf Lager hat, was er von der Zeit seiner Keimruhe bis zu einen ersten Tagen als Sämling benötigt. Neben allerlei Nährstoffen enthält er in seinen Zellen natürlich auch die genetische Information für die Ausbildung aller Eigenschaften seiner Art. Dazu kommt noch das Embryo an sich, das in allen Samen, und seien sie auch noch so klein, aus den Kotyledonen (embryonalen Blättern), einem kurzen Stängel, einer blättrigen Knospe und einer kleinen Wurzelspitze besteht. Die meisten Gartenpflanzen wie Stauden, Gemüse usw. sind sogenannte Dikotylen, d.h. sie enthalten zwei Kotyledonen bzw. sind 'zweikeimblättrig'. Im Gegensatz dazu sind Gräser beispielsweise Monokotyledonen, haben also nur ein Keimblatt. Deshalb sieht man nach der Keimung eines Grassamens auch nur einen Halm. Auch viele Getreidearten wie Weizen und Roggen, aber auch Mais gehören zu den Monokotyledonen. Die Kotyledonen vieler Samen enthalten auch den Großteil der Nährstoffe, z.B. Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß. Doch auch die Schale selbst kann Träger des Nährgewebes sein, das den Keimling mit Nahrung versorgt. Dieses Nährgewebe nennt man 'Endosperm'. Bei all den Dingen, die es über die Pflanzenentwicklung und -vermehrung zu lernen gibt, vergisst man schnell, dass viele Bereiche gar nicht bis kaum erforscht sind.





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3. VORBEREITUNG: AUSWAHL DES SAATGUTS

Der Erfolg bei der Aussaat und Anzucht von Pflanzen aus Samen wird vor allem durch die Auswahl des richtigen Saatgutes bestimmt. Glücklich kann sich schätzen, wer bereits in seinem eigenen Garten den Kreislauf von Aussaat, Samenernte und Wiederaussaat in Gang gesetzt hat. Der Vorteil dieses Kreislaufes ist - neben dem finanziellen Vorteil, kein fremdes Saatgut kaufen zu müssen - die zunehmende Adaption der Pflanzen an die Bedingungen des Standortes, an dem sie immer wieder angebaut werden. Man sagt, dass es zwar ungefähr eine Generation (also ca. 25 Jahre) dauert, bis merkliche Vorteile entstehen - doch wir haben auch in kürzerer Zeit spürbare Verbesserungen in der Widerstandskraft der Pflanzen erlebt. Wer sein Saatgut im kommerziellen Handel erwirbt, sollte darauf achten, dass es frisch abgepackt ist und eine Keimfähigkeit von mindestens einem Jahr ab Kaufdatum hat. Häufig sieht man Drehständer mit Samentütchen vor Läden in praller Sonne stehen, teilweise sogar ohne Überdachung, sodass das Saatgut in den Papiertütchen womöglich auch noch der Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Lassen Sie die Finger davon! Samen, die auf diese Weise 'gelagert' werden - und sei es auch nur über einen kurzen Zeitraum - verlieren in drastischem Tempo ihre Keimfähigkeit und sind häufig vollkommen steril. Es mag sogar vorkommen, dass durch unsachgemäße Lagerung das Saatgut Feuchtigkeit zieht und dadurch der Keimprozess in Gang gesetzt wird ...

Wie schon an mehreren Stellen in unseren Texten erwähnt, empfehlen wir grundsätzlich den Kauf von samenfesten Sorten. Helfen Sie mit, die Artenvielfalt zu erhalten und für künftige Generationen zu sichern! Wer Hybridsaatgut kauft, trägt dazu bei, dass unsere Nahrungsmittel vollständig kommerzialisiert werden und die Vermehrung von Saatgut künftig von einigen, wenigen Konzernen kontrolliert wird. Abgesehen davon, dass Sie nie erfahren werden, was Ihnen eigentlich entgeht: Die alten Sorten, die unsere Großmütter noch in ihren Gärten angebaut und selbst vermehrt haben, waren vielen Neuzüchtungen nicht nur geschmacklich überlegen, sondern machten meist auch optisch mehr her durch interessante Farben und Formen, die heute schon nahezu unbekannt sind - oder wann hatten Sie zuletzt lila Brokkoli auf dem Teller? Nutzen Sie also beispielsweise unseren Shop für den Kauf von Saatgut - wir haben gute Auswahl historischer Tomatensorten, Qualitätssaatgut für Stauden und Einjährige sowie zahlreicher Gemüsesorten im Programm!





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4. VORBEREITUNG: AUSWAHL DER AUSSAATBEHÄLTER

Sobald Sie Ihr Saatgut für die kommende Saison ausgewählt haben, benötigen Sie noch passende Aussaatbehälter (und natürlich eine geeignete Substratmischung, siehe Abschnitt [5]). Doch welche Voraussetzungen muss ein Aussaatbehälter erfüllen, damit eine erfolgreiche Anzucht gewährleistet ist? Zunächst soll gesagt sein, dass es unzählige Wegwerfartikel unseres täglichen Lebens gibt, die sich als Behälter für die Aussaat eignen. Die meisten davon bestehen aus Plastik, und es ist eine schöne Idee, diesen Einwegverpackungen ein zweites, nützliches Leben als Anzuchtschale zu schenken. Ich denke da besonders an die typischen Champignon-Schalen aus dem Supermarkt, die sich gut als Saatgefäß eignen. Sie halten sogar mehrere Jahre, wenn man sie vorsichtig behandelt, haben allerdings den Nachteil, dass sie keinen Deckel haben. Womit wir gleich beim Thema wären: Für uns ist die ideale Aussaatschale aus Kunststoff, maximal 10 cm hoch und 30 cm lang, hat keine Löcher im Boden, lässt sich mit einem transparenten Deckel verschließen und ist stark genug gebaut, um auch das Gewicht von feuchtem Substrat zu halten, ohne zu knicken oder zu brechen. Außerdem ist es für uns besonders wichtig, dass das Material leicht gereinigt werden kann. Ein Behälter, der alle diese Voraussetzungen erfüllt, ist beispielsweise unser Goldberg Gartenschatz Anzuchtkasten aus Lärchenholz mit einer Saatschale aus Kunststoff. Diese Saatschale hat keine Löcher im Boden und erfordert daher ein aufmerksames Wässern - wir haben mit solchen Behältern jedoch die besten Erfahrungen gemacht, da Behälter mit Abzugslöchern im Boden meist viel schneller austrocknen, häufiger gegossen werden müssen und die Wurzeln teilweise aus den Abzugslöchern herauswachsen. Bei unseren Behältern reicht ein einmaliges Anfeuchten des Substrates bei der Aussaat - und die Anzuchterde bleibt bis nach der Keimung feucht genug. Um Ihnen einen Überblick über mögliche Aussaatbehälter und deren Vor- und Nachteile zu geben, haben wir nachfolgend eine Liste zusammengestellt (die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt).


MÖGLICHE AUSSAATBEHÄLTER


1. Eierkartons
Immer wieder liest man in Zeitschriften und Ratgebern, dass sich Eierkartons bestens für die Aussaat und Anzucht von Jungpflanzen eignen würden. Vor allem KindergärtnerInnen und Grundschullehrer scheinen diese Idee für attraktiv zu halten, um ihre Schützlinge für das Thema Aussaat zu begeistern. Das scheint auf den ersten Blick unkompliziert zu sein: Man nehme einen Eierkarton, fülle ihn mit Blumenerde und den Samen, gieße ein wenig Wasser darüber und stelle das Ganze dann auf die Fensterbank im Klassenzimmer. Doch was anfänglich so einfach und große Vorbereitung umsetzbar ist, führt schnell zu Stress und Enttäuschung. Denn die Eierkartons fassen nur wenig Anzuchterde, und durch den Karton, der das Gießwasser an sich saugt wie ein Schwamm, verdunstet das Wasser viel zu schnell. Außerdem haben die Kartons keinen transparenten Deckel, weshalb wenigstens eine Klarsichtfolie darüber gelegt werden müsste. Da diese aber nicht dicht schließt, wird auch hier die Verdunstung gefördert. Deshalb raten wir von der Verwendung solcher Kartons ab. Kinder-Gärtner bzw. Gärtner-Kinder haben eine bessere, erfolgversprechendere Ausrüstung verdient - schließlich führt eine Enttäuschung gleich zu Anfang schnell zur Resignation ...

2. Milchkartons
Aufgeschnittene Milchkartons eignen sich bedingt als Aussaatbehälter für eine Saison. Man kann sie einfach der Länge nach durchschneiden und beide Hälften mit Substrat füllen. Um die Verdunstung zu minimieren, müssen die Behälter auf jeden Fall mit Frischhaltefolie abgedeckt werden. Ein langes Gummiband rings herum, das über die Folie gezogen wird, verhindert, dass selbige verrutscht. Großer Pluspunkt: solche Behälter sind vermutlich in fast jedem Haushalt verfügbar und zudem kostenlos. Nach einer Aussaatsaison müssen sie allerdings entsorgt werden, da sie mit der Zeit sehr instabil werden.

3. Aluminiumschalen, Joghurtbecher u.ä.
Ob Alu-Grillschale, Joghurtbecher oder die kleinen Plastikschälchen vom Metzger, in denen man Eiersalat oder Brotaufstrich nach Hause getragen hat: Fast alle Behälter könnten als Anzuchtgefäß dienen. Im Prinzip gelten für sie dieselben Voraussetzungen wie für die beiden erstgenannten Kandidaten der Liste: Man muss die Verdunstung minimieren und Staunässe vermeiden. Es gibt Hobby-Tomatenzüchter, die in alten Joghurtbechern, die mit reinem Perlit oder Seramis gefüllt sind, jedes Jahr erfolgreich ihre Tomaten aussäen. Wie erfolgreich solche Behälter eingesetzt werden können, hängt stark vom Fingerspitzengefühl des Gärtners ab, der sich um solche Behälter sicherlich mehr kümmern muss als um professionellere Aussaatgefäße.

4. Torftöpfe
Die überall angebotenen Torftöpfe, die auf den ersten Blick so organisch und praktisch erscheinen, haben einige Nachteile: Zunächst sind sie relativ teuer. Außerdem trocknen sie sehr schnell aus, da die in der Erde enthaltene Feuchtigkeit durch die saugende Topfwand nach außen diffundiert. Und auch wenn manch Gärtner sich denkt, dass die in ihnen ausgesäten Pflänzchen irgendwann mit ihren Wurzeln die Wand der Töpfe durchdringen und später die sie umgebende Erde finden, haben wir festgestellt, dass dies nicht immer der Fall ist. Andererseits ist das Herausnehmen der Jungpflanzen aus den Töpfen schwierig, wenn diese bereits mit der Außenwand der Torftöpfe verwurzelt sind. Denn ein gewaltsames Herausziehen der Pflanzenwurzeln würde sie beschädigen und zu Wachstumshemmungen oder, im schlimmsten Fall, zum Verlust der Pflanze führen.

5. Torfquelltöpfe
Vor allem Gärtner, die kein Plastik in ihrem Garten verwenden wollen und eine Aversion gegen die billigen Anzuchtstationen aus der Gartenabteilungen der Baumärkte haben, die meist auch nach einer Saison kaputt sind und auf dem Müll landen, greifen gerne zu den allseits bekannten Torfquelltöpfen. Diese werden als 'Tabletten' hergestellt, mit einem dünnen Plastiknetz, in das der Torf hineingepresst wird, und welches später dem Ganzen die nötige Form und Stabilität verleiht. Man übergießt sie mit lauwarmem Wasser und wartet, bis sie vollständig aufgequollen sind. Danach kann man eine Vertiefung in die Mitte des Topfes drücken und den Samen hineinlegen. Leider ist es bei den Torfquelltöpfen aber genauso wie bei den gepressten Torftöpfen (s.o.): Die Verdunstungsrate ist hoch, die Wiederbefeuchtung des Torfes schwierig. Grundsätzlich muss dazu gesagt werden, dass Torf nur in Verbindung mit anderem organischem Material als Anzuchtsubstrat geeignet ist - abgesehen davon, dass die Verwendung von Torf im Garten alleine schon aus ökologischen Gründen minimiert werden und er nur dort zum Einsatz kommen sollte, wo es keinen adäquaten Ersatz gibt.  Ein weitere Aspekt, der gegen Torfquelltöpfe spricht, ist die Behandlung des Ausgangsmaterials mit chemischen Düngerlösungen (aufgelösten Salzen). Und zu guter Letzt tritt die berüchtigte 'Umfallkrankheit', eine bodenbürtige Pilzinfektion, immer wieder in Torfquelltöpfen auf, die produktionsbedingt schon Krankheitserreger und Pilzsporen in sich tragen ...

6. Anzuchtkästen aus Holz
Besonders gut geeignet für die Aussaat sind Anzuchtkästen aus unbehandeltem Holz. Die Betonung liegt hier auf 'unbehandelt': Lasuren, Öle, Lacke usw., mit denen das Holz außen oder innen vorab behandelt wurde, können sehr schädliche Stoffe an das in den Kästen befindliche Substrat abgeben. Deshalb am besten Kästen aus unbehandeltem Eichen-, Lärchen- oder Fichtenholz verwenden. Man kann die Kästen auch selbst bauen - in jeder gewünschten Größe. Für die Aussaat von Pflanzen im Freien sind sie sicherlich die beste Wahl - hier sollte nur gewährleistet sein, dass überschüssiges Wasser abziehen kann. Denn in geschlossenen Gefäßen entsteht schnell Staunässe, wenn diese draußen angeregnet werden. Natürlich kann man Anzuchtkästen auch mit einer alten Glasscheibe oder einem Kunststoffdeckel vorübergehend abdecken. Anzuchtkästen aus Holz haben den Vorteil, dass sie ökologisch sind, sehr stabil und langlebig sowie leicht zu recyceln sind. Tipp: Um eine ideale Wasserversorgung der Aussaaten ohne Staunässe zu erreichen, können Sie auf den Boden des Aussaatkastens Backsteine legen und diese mit einer Schicht zerkleinertem Moos bedecken. Diese Kombination nimmt viel Wasser auf, gibt es aber nur bei Bedarf an die Pflanzen ab. Ein Zuviel an Wasser kann weiterhin durch die Abzugslöcher unterhalb der Backsteine abfließen. Das Moos sollte aber unbedingt vor Gebrauch über mehrere Monate getrocknet worden sein.

7. Anzuchtkästen aus Plastik
In jedem Baumarkt und jedem Gartencenter gibt es Anzuchtschalen und -kästen aus Plastik. Die Qualität dieser Produkte ist sehr unterschiedlich, ebenso wie ihr Preis. Wir empfehlen in jedem Fall, für solch eine Anschaffung lieber etwas mehr Geld auszugeben: Denn nur bei langer Lebensdauer und häufiger Wiederverwendung kommt für uns der Einsatz von Plastik und Kunststoff im Garten in Frage. Bei den billigen Vertretern dieser Art schließen die transparenten Kunststoffdeckel meist schlecht, können leicht verrutschen und herunterfallen (und dabei die kleinen Sämlinge beschädigen). Achten Sie beim Kauf auf stabile Qualität mit gut aufeinanderpassenden Teilen.

8. Erdblöcke
Selbst hergestellte Substratblöcke sind besser für die Anzucht geeignet als Torf- oder Torfquelltöpfe, da sie praktisch keine materielle Barriere haben, die das spätere Wurzelwachstum hemmt. Der Aufwand, sie herzustellen, ist allerdings relativ groß, erfordert einige Materialien und gute Vorbereitung. Man benötigt eine Form, in die die Erdmischung hineingepresst und dann wieder herausgedrückt werden kann; eine Wanne, in der das Substrat vorher gemischt wird; und natürlich die Zutaten für die Erdmischung, die am besten aus 2 Teilen Torf, 1 Teil Gartenerde und 1 Teil reifem Kompost besteht. Mit selbstgemachten Substratblöcken kann man gute Ergebnisse bei der Anzucht erzielen - der Zeitaufwand für die Herstellung ist uns aber zu groß, und wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Blöcke bei stärkerem Wurzelwachstum, starkem Regen und unachtsamem Wässern leicht auseinanderfallen.

9. Sämlingshäuser
Aus Schweden stammt das relativ neue Patent für sogenannte Sämlingshäuser. Das sind kompakte, rechteckige, im Spritzgussverfahren hergestellte Kunststofftrays, die tiefe, konisch zulaufende Mulden für 48 einzelne Pflänzchen haben. Eine integrierte Gieß-Wanne sowie ein transparenter Kunststoffdeckel mit regulierbarer Lüftung machen das Sämlingshaus zu einem idealen Anzuchtgefäß. Der Vorteil ist, dass sich die Wurzeln in den einzelnen Mulden ungestört entwickeln können und die Pflanzen später ganz leicht und ohne Beschädigungen entnommen werden können. Auch ein Verhaken mit benachbarten Pflanzen ist hier vollkommen ausgeschlossen. Der Preis für solch ein Sämlingshaus dürfte allerdings viele Gärtner abschrecken, und für umfangreichere Aussaaten sind die Sämlingshäuser einfach zu klein. Auf der anderen Seite sind sie äußerst hochwertig und stabil verarbeitet und halten bei normalem Gebrauch sicherlich viele Jahre ...

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Behälter, in denen man erfolgreich seine Pflanzen aussäen und ziehen kann - experimentieren Sie doch einfach mit verschiedenen Behältern und Methoden!




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5. VORBEREITUNG: AUSWAHL DES SUBSTRATES

Viel wichtiger noch als die Auswahl der passenden Behältnisse ist die Wahl des richtigen Anzuchtsubstrates. Neben Beleuchtung, Temperatur und Feuchtigkeit entscheidet vor allem das Aussaatmedium über den Erfolg der Anzucht. Dabei kommt es nur auf ein paar wenige Eigenschaften an, die das Substrat haben sollte:

1. Es sollte frei von Unkrautsamen, bodenbürtigen Krankheiten, Pilzsporen und Schädlingen sein.
2. Ein gutes Anzuchtsubstrat ist luftig, locker und strukturstabil.
3. Es ist frei von Substanzen, die Sie in Ihrem Garten nicht haben wollen
4. Es verkrustet nicht.
5. Es sollte Feuchtigkeit halten können, aber nicht zur Staunässe neigen.
6. Nährstoffe sollten nicht in hoher Konzentration vorhanden sein.

Aus oben genannten Gründen kommt normale Gartenerde nicht in Frage: Sie ist meist mit Krankheitskeimen und Pilzsporen verunreinigt, enthält eine Vielzahl fremder Samen und behält in den seltensten Fällen seine Struktur. Meist sackt die Erde in sich zusammen und verkrustet an der Oberfläche. Auch reiner Kompost ist nicht geeignet, da der hohe Nährstoffgehalt die Wurzeln der Jungpflanzen schädigen oder eine Vergeilung der Triebe fördern könnte. Wer seine Aussaat darin unterstützen möchte, schnell und gleichmäßig zu wachsen, kräftige Wurzeln auszubilden und zu widerstandsfähigen Pflanzen heranzuwachsen, der ist mit einem der folgenden Substrate oder einer Mischung daraus bestens beraten:

1. Goldberg Gartenschatz Bio-Aussaaterde
Unser hauseigenes Anzuchtsubstrat ist eine ausgesuchte Mischung aus hochwertigem organischem Material wie Torfmoos, Kokosfasern, Rindenhumus, durchgefrorenem Schwarztorf sowie einem Teil Perlit. Die locker-luftige Struktur, die leichte Befeuchtbarkeit und sehr gute Wasserspeicherfähigkeit  fördern die schnelle Entwicklung der Sämlinge und ihrer Wurzeln. Die Mischung ist frei von Fremdsamen und Krankheitserregern, gewährleistet einen guten Wasserabzug und eine Grundversorgung der Jungpflanzen mit den wichtigsten Nährstoffen für die ersten zwei Wochen nach der Keimung. Wir haben dieses Substrat nach jahrelanger Erfahrung mit der Aussaat und Aufzucht von Sämlingen komponiert - und auch Sie werden mit Sicherheit Erfolg damit haben!

2. Vermiculit
Manche Gärtner verwenden reines Vermiculit für die Aussaat. Es handelt sich dabei um ein relativ seltenes Mineral aus der Klasse der Silikate (Tonminerale), das unter großer Hitzeeinwirkung 'aufgeblasen' wird. Der Effekt ist ähnlich wie bei Popcorn: Es bläht sich auf, vergrößert seine Oberfläche und wird bei hohem Volumen sehr leicht. Da Vermiculit besondersgut Wasser speichert, Licht reflektiert und eine geringe Wärmeleitfähigkeit hat, wird es gerne im Gemüsebau als Deckmaterial für Aussaaten verwendet. Als reines, hitzebehandeltes Mineral ist es natürlich frei von Krankheitserregern, Sporen und Nährstoffen. Seine Fähigkeit, Wasser sowie Nährstoffe in hohem Maß zu absorbieren und bei Bedarf abzugeben, macht es auch zu einem guten Anzuchtsubstrat.

3. Perlit
Mittlerweile wird Bläh-Perlit in vielen Industriezweigen als Zuschlag-, Dämm- oder Bindestoff eingesetzt. Ausgangsstoff ist ein alteriertes vulkanisches Glas (Obsidian), das durch starke Erhitzung bis ca. 1.000° C aufgebläht wird und dadurch ein styroporartiges Aussehen erhält. Dabei vergrößert es sein Volumen bis auf das 20-fache seines Ursprungsvolumens. Durch seine spezifischen Eigenschaften wie gute Wasserhaltefähigkeit, Porosität, absolute Sterilität und pH-Neutralität eignet es sich bestens als Zuschlagstoff für Erdmischungen. Es lockert den Boden, fördert die Belüftung und Strukturstabilität und schützt auch schwere Böden vor Verdichtung. Da die vulkanischen Aktivitäten auf der Erde immer wieder für reichhaltigen Nachschub dieses Gesteins sorgen, kann man es als einen praktisch unerschöpflichen Rohstoff bezeichnen. Es ist ohne Bedenken in die Natur rückführbar, da es keine Schadstoffe enthält. Viele Gärtner schwören auf reines Perlit als Anzuchtsubstrat, da es steril ist und ein 'Überwässern' der Aussaaten praktisch unmöglich ist.

4. Blumenerde
Immer wieder hört man von Gärtnern, die den Verlust ihrer kompletten Aussaaten zu beklagen haben, weil sie normale Blumen- oder Pflanzerde als Anzuchtsubstrat gewählt haben. Natürlich ist diese Erde billiger als spezielle Anzuchterde, und wenn sie im Frühling in den Discount-Supermärkten zu lächerlich niedrigen Preisen angeboten wird, ist die Verlockung natürlich groß, sie universell im Garten einzusetzen. Das große Problem bei diesen Erden, die meistens leider von minderer Qualität sind (und daher auch nicht für reguläre Pflanzungen in Kübeln, Kästen oder im Garten verwendet werden sollten), ist, dass sie hauptsächlich aus grob zerkleinerten Pflanzen- und Holzfasern bestehen und teilweise so stark mit Düngesalzen angereichert sind, dass sie für Pflanzen eher schädlich als fördernd wirken. Zudem enthalten diese Erden häufig Krankheitserreger und Schädlinge wie Läuse, Raupen und deren Eier bzw. Kokons. Verzichten Sie lieber auf den Einsatz solcher Erden: Sie kosten zwar wenig Geld, dafür umso mehr Nerven - und man ärgert sich gewaltig, wenn eine komplette Saatschale mit Tomatenraritäten der Umfallkrankheit, einem Befall mit Trauermücken oder einer Raupenkolonie zum Opfer fällt ...

5. Kokoserde
Die Fasern der Kokosnuss haben insofern einen großen Wert als Substratbeimischung, als dass sie die Struktur stabilisieren, für gute Belüftung sorgen, keimfrei und nährstoffbindend sind und nur langsam verrotten. Als alleiniges Aussaatsubstrat eignen sie sich unserer Meinung nach nicht so gut, da sich die Wurzeln in einem reinen Kokossubstrat zu stark verhaken und später das Pikieren erschweren. Viele der angebotenen Kokosblöcke sind vorgedüngt - das heißt, dass zumindest eine gewisse Grundversorgung der Jungpflanzen gewährleistet ist.




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6. AUSSAAT UND KEIMUNG: METHODEN UND HILFSMITTEL

Seit vielen Jahren ziehen wir jedes Jahr hunderte Pflanzen vor - ein Garten von mehreren tausend Quadratmetern verlangt immer wieder nach Lückenfüllern, Ersatzpflanzungen und Ergänzungen. Vom Gemüsegarten und dem Tomatenhaus ganz zu schweigen, die sowieso in jedem Jahr neu bestückt werden müssen. Durch die langjährige Praxis haben wir zwar viel Erfahrung, machen aber immer noch Fehler. Letztlich helfen nur immer wiederkehrende Rhythmen von Aussaat und Ernte, um eine gewisse Routine und Selbstvertrauen zu bekommen. Früher haben wir noch gefürchtet, dass manche Saaten gar nicht aufgehen - heute wissen wir, dass sie sicher aufgehen, wenn bestimmte Parameter stimmen und der Saatbehälter ausreichend  warmgehalten wird. In den ersten Jahren waren wir stolz darauf, schon Mitte Februar unsere Tomaten aussäen und Mitte April 40 cm hohe Pflanzen vorweisen zu können - heute wissen wir, dass es besser ist, mit der Aussaat etwas länger zu warten (wir säen unsere Tomaten meist um den 1. März aus), damit man zügig kultivieren kann und sich die Pflanzen in einer stetigen Wachstumsphase befinden, wenn man sie aussetzt. Jede Gärtnerin und jeder Gärtner wird seine ideale Vorgehensweise finden müssen - die örtlichen Gegebenheiten sowie die individuellen Möglichkeiten (Gewächshaus, Frühbeetkasten, Kunstlicht, Temperatur usw.) geben diese meist vor bzw. setzen ihr Grenzen. Die nachfolgend beschriebenen Methoden der Aussaat und Anzucht bilden unabhängig davon eine gute Grundlage für die erfolgreiche Aussaat.

Nachdem wir in den Kapitel 3-5 bereits 3 wichtige Schritte der Vorbereitung abgehandelt haben (Auswahl der Saatguts, der Aussaatbehälter und des Substrates), sind jetzt nur noch 8 kleine, aber wichtige Schritte für die erfolgreiche Aussaat abzuarbeiten. Bevor wir jedoch ans Werk gehen, sollten noch folgende Dinge erledigt werden:

Erstens: Bereiten Sie Ihren Pflanztisch oder eine andere, ausreichend große Fläche für die anstehenden Arbeiten vor. Da hier mit Erde und Wasser gearbeitet wird, bietet sich ein Tisch im Freien, im Gewächshaus oder im Schuppen besser an als die Küche. Legen Sie auf der Arbeitsfläche großzügig Zeitungspapier aus - das ist nach getaner Arbeit einfacher zusammen zu klauben als verstreute, feuchte Erde. Das Zeitungspapier werfen Sie dann einfach auf Ihren Kompost oder in die Biotonne.

Zweitens: Tragen Sie Ihr Arbeitsmaterial zusammen, damit Sie sofort Zugriff darauf haben, wenn Sie es brauchen: Die Aussaatbehälter, die fertige Erdmischung, eine Sprühflasche gefüllt mit sauberem Wasser (ungechlort), die Ballbrause, einen Eimer oder eine Schüssel mit sauberem Wasser (ungechlort), das Saatgut, die Pflanzschilder bzw. -etiketten und einen wetterfesten Stift bzw. Bleistift zum Beschriften sowie eine evtl. vorhanden Sähilfe.

Schritt 1
Beschriften Sie, bevor Sie die Samen aussäen, für jede Sorte ein Pflanzschildchen bzw. ein Etikett. So können Sie das Schildchen schon vor dem Aussäen in das jeweilige Gefäß stecken, bevor Sie mit dem Säen beginnen. Das minimiert die Fehlerquote und geht wesentlich schneller, als jedes Schildchen einzeln nach jeder Aussaat zu beschriften. Als Pflanzschildchen eignen sich unsere schönen und ökologisch korrekten Holzschildchen - diese können Sie sogar nur mit Bleistift beschriften, und das Pflanzschild bleibt bis zum Auspflanzen und meist auch darüber hinaus leserlich. Nach Gebrauch können die Holzschildchen auf dem Kompost verrotten.

Schritt 2
Bereiten Sie Ihre Aussaatbehälter vor: Auf den Boden von hölzernen Aussaatkisten, die im Idealfall Schlitze oder Löcher für den Wasserabzug haben, legen Sie zwei bis 3 Lagen Zeitungspapier. Das verhindert ein Durchrutschen der krümeligen Aussaaterde. Falls Sie zu den Biogärtnern gehören, die den Vorteil einer Lage Moos am Boden des Aussaatgefäßes zu schätzen wissen, breiten Sie nun das kleingerupfte und vorher gut getrocknete Moos auf dem Zeitungspapier aus und wässern Sie es einmal kurz mit der Ballbrause. Als letztes kommt oben drauf eine Schicht Aussaatsubstrat, ca. 5-7 cm. Von der Oberfläche der Aussaaterde sollte ca. 5-8 cm Platz bis zum Rand bzw. Deckel des Gefäßes verbleiben, damit sich die Sämlinge auch bei evtl. geschlossenem Deckel einige Wochen in dem Gefäß entwickeln können, bevor sie pikiert werden.

Schritt 3
Bereiten Sie die Samen für die Aussaat vor. Manche Samen keimen schneller, wenn sie vor dem Aussäen behandelt werden. Erbsen-, Bohnen-, Karotten- und Petersiliensamen beispielsweise profitieren vom Einweichen in warmem Wasser (für 2-12 Stunden). Sie können das Wasser mit Knoblauchsaft (wirkt desinfizierend und kann das Entstehen von Krankheiten verhindern) sowie Schachtelhalmextrakt (die enthaltene Kieselsäure stärkt die Zellen und härtet das Gewebe der Pflanzen) anreichern. Manche Biogärtner legen die zu behandelnden Samen in ein Teesieb und hängen es in die Brühe - das spart später das mühsame 'Fischen im Trüben'. Sehr große und harte Samen wie z.B. Lupine oder Neuseeland-Spinat sollten vor dem Einweichen evtl. noch etwas angeritzt bzw. mit Schmirgelpapier aufgeraut werden (bitte vorsichtig, damit das Embryo der Pflanze im Innern nicht beschädigt wird).

Schritt 4
Jetzt ist das Säen an der Reihe: Entweder verteilen Sie die Samen einigermaßen gleichmäßig über die zur Verfügung stehende Aussaatfläche, oder Sie säen in Reihen. Letzteres ist nur bei größeren Samen empfehlenswert, da kleine, feine Samen schwer zu platzieren sind. Nutzen sie für die mittelgroßen Samen eine Pinzette oder eine Präszisions-Sähilfe. Bei sehr feinem Saatgut (z.B. Blutweiderich, Digitalis) ist ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung vonnöten, um nicht zu viele Samen an einer Stellen zu platzieren. Zudem kann solches Saatgut nicht draußen im Freien gesät werden, da nur der leichteste Windstoß die Samen in alle Himmelsrichtungen verbläst. Samen von Tomaten, Paprika, Roter Bete usw. können wiederum ohne Schwierigkeiten einzeln und gezielt gesät werden. Ob Sie sich trauen, die Samen - so wie manche Profis - direkt aus der Samentüte in ihr Saatbett gleiten lassen, oder die Samen vorher doch lieber in einer Schale oder auf einem Teller ausbreiten, um sie dann einzeln mit der Fingerkuppe oder der Pinzette aufzunehmen, ist allein Ihre Entscheidung. Übung macht den Meister!

Schritt 5
Bei diesem Schritt, nämlich dem Abdecken der Saaten, ist es wichtig, dass Sie die Angaben auf der Samentüte genau studiert haben bzw. auf Ihre eigenen Notizen zurückgreifen: Sogenannte Lichtkeimer brauchen keine Abdeckung. Hier reicht es normalerweise, die Samen leicht in das Substrat zu drücken. Viele der ganz feinen Samen sind Lichtkeimer. Werden diese mit Substrat bedeckt, kann die Keimung vollständig ausbleiben. Die Dunkelkeimer hingegen sollten mindestens bis zu zwei- dreifacher Samenstärke mit Material abgedeckt werden. Wir verwenden je nach Verfügbarkeit und Art der Samen entweder reines Vermiculit, Perlit oder normales Aussaatsubstrat. Sowohl Lichtkeimer als auch Dunkelkeimer können mit einer dünnen Schicht feinem Kies oder Splitt abgedeckt werden. Durch die Ritzen dieses eher groben Materials drinkt genügend Licht, um auch die Lichtkeimer zum Keimen anzuregen. Die Deckschicht aus feinem Kies verhindert die Bildung von Moos, Pilzen und Schimmel, verringert die Verdunstung, speichert Wärme und reflektiert das (Sonnen-) Licht. Wir empfehlen feinen, weiß-braunen Rundkies mit einer Körnung von 2-3 mm - erhältlich im gut sortierten Baustoffhandel, im Aquaristik-Fachhandel oder in der Kiesgrube Ihres Vertrauens. Vergessen Sie nicht, den Kies vor der Verwendung in einem Sieb unter laufendem Wasser vom Staub zu befreien, der sonst das Substrat 'verschlämmen' könnte.

Schritt 6
Wässern Sie nun Ihre Aussaaten. Da man vor allem bei Dunkelkeimern aufpassen muss, dass beim ersten Gießen die Samen nicht 'aufschwimmen', also sich vom Substrat lösen und auf der Oberfläche zum Liegen kommen, oder aber feine Samen durch ein Zuviel an Gießwasser auf der Oberfläche herumschwimmen und vielleicht in eine Ecke des Aussaatgefäßes gespült werden, sollten Sie nur mit einer Sprühflasche oder - bei großkörnigem Saatgut - mit einer Ballbrause angegossen werden. Gießen Sie nur soviel, dass das Saatgut und das Substrat gut angefeuchtet sind. Falls Ihre Aussaatschalen keine Abzugslöcher haben, müssen Sie umso mehr darauf achten,die Erde nicht 'nass' zu gießen. Viele angehende Gärtner und Gärtnerinnen glauben nicht, dass der häufigste Grund für einen Misserfolg bei der Aussaat zuviel Gießwasser ist. Bis zu ihren ersten eigenen Versuchen mit der Aussaat von Pflanzen haben sie meist nur davon gehört, dass Pflanzen 'verdursten' bzw. vertrocknen - dass sie jedoch auch 'ertrinken' können, ist ihnen neu. Man muss sich an dieser Stelle klar machen, dass es für einen Sämling nichts schlimmeres gibt, als wenn seine feinen, kleinen Wurzeln umgeben sind von durchnässter, sauerstoffloser, faulender und im schlimmsten Fall auch noch kalter Erde. Immer 'feucht', aber nicht 'nass' - das ist die goldene Regel!

Schritt 7
Sofern Sie Ihre Anzuchtschalen bis zum Auflaufen der Saat im Haus aufbewahren, müssen die Behälter mit einem transparenten Deckel o.ä. verschlossen bzw. abgedeckt werden. Sofern Sie keine professionelleren Behälter mit passenden Kunststoffdeckeln zur Verfügung haben, können Sie auch einfach den gesamten Behälter in einen großen Gefrierbeutel stecken - es gibt solche Gefrierbeutel mit 1-5 Liter Fassungsvermögen mittlerweile sogar mit fertigem Streifenverschluss ('ZipLock'). Auf hölzerne Schalen kann man auch eine alte Glasscheibe legen, oder man legt eine Bahn Frischhaltefolie darüber und spannt diese mit zwei Haushaltsgummis fest. Wichtig: Vergessen Sie nicht, regelmäßig zu lüften! Mindestens zweimal am Tag sollte die Abdeckung für ein paar Minuten abgenommen werden, damit die Luft zirkulieren und ein Austausch mit der Umgebungsluft stattfinden kann. Ansonsten bilden sich vermutlich schnell Schimmel und Pilze.

Schritt 8
Die letzte Maßnahme, bevor Sie sich erstmal entspannt zurücklehnen und das Keimen der ersten Saaten in ein paar Tagen abwarten können: Suchen Sie die richtige Stelle, um Ihre Saatschalen aufzustellen.

Die Vertreter der sog. 'Kaltkeimer' brauchen eine kühle Startphase, in der die keimhemmenden Stoffe im Samen durch Kälteeinwirkung abgebaut werden, bevor eine Keimung möglich ist. Säen Sie solche Saaten am besten schon im Herbst und lassen Sie die Aussaatbehälter entweder an einem geschützten Ort im Freien, im Frühbeetkasten oder im ungeheizten Gewächshaus stehen. Frost, Eis und Schnee schaden diesen Saaten nicht - ganz im Gegenteil! Achten Sie aber darauf, dass die Saat niemals austrocknet, aber auch nicht nass wird. Sobald es im März und April wärmer wird, werden diese Saaten keimen.

Die weit häufiger anzutreffenden  'Kühlkeimer' brauchen keine Frosteinwirkung, aber tiefere Temperaturen von 4-10 °C über zwei bis vier Wochen. Sie können die Saatschalen für ein paar Wochen in den Kühlschrank stellen, um diesen natürlichen Vorgang zu simulieren (man nennt dies dann 'Stratifikation' bzw. 'Vernalisation'). Nach Ablauf der Kälteperiode stellen Sie die Behälter an einen warmen Ort, um das Auflaufen der Saat anzuregen.

Ein Großteil der Pflanzen sind jedoch 'Warmkeimer'. Diese sind meist sehr unproblematisch zu ziehen, da ihre Aussaaten einfach warm gehalten werden müssen. Stellen Sie sie auf eine helle Fensterbank, unter ein starkes Pflanzenlicht im Heizungskeller oder sogar auf einen erhöhten Platz hinter einem Holzofen. Die meisten dieser Arten keimen bei Temperaturen zwischen 18 und 25 °C.

Relativ selten sind die sogenannten 'Wechselkeimer' - das sind Samen, die über einen langen Zeitraum hinweg schwankende Temperaturen benötigen. Manche dieser Samen brauchen bis zur Keimung bis zu einem Jahr. Bei diesen Pflanzen macht eine Aussaat nur im Freien Sinn, am besten an einer geschützten, schattigen Stelle neben einem Schuppen oder der Hauswand. Kontrollieren Sie die Saat regelmäßig und gießen Sie, sobald das Substrat austrocknet.

Nach der Keimung Ihrer Pflanzen sollten Sie bis zum Vereinzeln darauf achten, dass die Sämlinge ausreichend Tageslicht bzw. Kunstlicht erhalten und die Temperaturen möglichst nicht unter 10 °C fallen. Achten Sie auf dauerhaft feuchtes Substrat und geben Sie  bei Bedarf schon vor dem Vereinzeln eine stark verdünnte Düngerlösung, um kontinuierliches Wachstum zu ermöglichen.





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8. VEREINZELN UND UMTOPFEN

Die meisten Pflanzen profitieren vom Vereinzeln und Umtopfen - es gibt allerdings auch Arten, die nicht umgetopft werden sollten, da sie empfindliche Wurzeln haben, deren Beschädigung einen dauerhaften bzw. längeren Wachstumsstopp oder sogar das Eingehen der Pflanze zur Folge haben kann. Manche Gemüsesorten bilden lange, fleischige, tiefreichende Wurzeln aus (Pfahlwurzeln). Für alle anderen Pflanzen hat das Vereinzeln und Umtopfen folgende Vorteile:

1. Das Wurzelwerk wird gestärkt
Beim Pikieren der Sämlinge werden die feinen Haarwurzeln der Jungpflanze beschädigt. Das regt die Pflanze zur Bildung neuer, kräftigerer Wurzeln an.

2. Mehr Platz für die Entwicklung
Zu eng stehende Sämlinge bleiben schwach und spindelig, da zu wenig Platz für Ihre Ausbreitung und Entwicklung haben. Mangelnde Luftzirkulation zwischen den Pflanzen fördert Krankheitsbildung.

3. Nährstoffreichere Erde
Das Substrat in den Aussaatschalen enthält zwar einige Nährstoffe, die im besten Fall 2-3 Wochen ausreichen - danach sollten die Pflanzen aber in ein reicheres Substrat umgetopft werden, damit ihr Nährstoffbedarf gedeckt werden kann.

4. Einfachere Selektion
Auch wenn es immer wieder schmerzhaft ist, einen kleinen Sämling wegzuwerfen: Die Selektionierung der stärksten Pflanze beim Pikieren ist wichtig, um später auch kräftige, resistente und schöne Pflanzen zu erhalten. Achten Sie auf gleichförmig ausgebildete Blattpaare, aufrechten Wuchs und starkes Wurzelwerk.

Wann wird vereinzelt?

Sobald die Pflänzchen eine gewisse Größe erreicht haben, nehmen sie sich gegenseitig zuviel Licht und Nährstoffe weg und wachsen langsamer bzw. stellen ihr Wachstum ganz ein. Es ist deshalb besser, sie vorher in Einzelgefäße umzutopfen. Der beste Zeitpunkt für das Pikieren ist innerhalb von 1 bis maximal zwei Wochen nach der Ausbildung des ersten echten Blattpaares und bevor die Wurzeln zu weit in das Aussaatsubstrat hineingewachsen sind.

Wie wird vereinzelt?
Zunächst bereiten Sie die neue Behälter für die Pflänzchen vor. Wir wählen dafür meist die klassischen 9 x 9 cm-Töpfe, z.B. unsere kompostierbaren Töpfe der Firma Biofibre. Die Töpfe sollten bis zum Rand mit Susbtrat gefüllt werden, das nach dem Einfüllen gleich etwas festgedrückt wird. Als Kultursubstrat für die kommenden Wochen bis zum Auspflanzen der Setzlinge eignet sich beispielsweise eine etwas nährstoffreichere Pflanzerde, die genau wie das Aussaatsubstrat mit Hilfe von Perlit, Vermiculit oder Seramis aufgelockert werden sollte. Zusätzlich mischen wir noch etwas scharfen Maurersand unter, damit der Wasserabzug verbessert wird. Bitte bedenken Sie, dass sich die Erde nach dem ersten Wässern um 1 bis 2 cm setzen kann - deshalb ist es wichtig, dass sie im festgedrückten Zustand bis zum Rand des Gefäßes reicht. Nehmen Sie dann ein kleines Pikierholz (Pikierstab) und drücken Sie mit der größeren, stumpferen der beiden Spitzen in der Mitte des Topfes ein Loch in die Erde. Das Loch sollte so tief sein, dass der Setzling später genauso tief in der Erde sitzt wie im Aussaatgefäß vorher. Bei einigen Pflanzenarten wie z.B. Tomaten empfiehlt es sich, die Sämlinge so tief umzutopfen, dass sich ihr erstes echtes Blattpaar gerade so über der Erdoberfläche befindet. Entlang des Stängels unterhalb der Erdoberfläche bilden sich dann neue Wurzeln, die der Pflanze besseren Halt geben und ihr mehr Nährstoffe zuführen.

Sobald die neuen Pflanzcontainer vorbereitet sind, können Sie mit dem Vereinzeln der Sämlinge beginnen. Benutzen Sie zum 'Herauslöffeln' der kleinen Pflänzchen am besten einen sogenannten "Widger" - das ist ein leicht gebogenes Werkzeug aus Metall, mit dem sich die Sämlinge leicht und ohne große Beschädigungen aus ihrem Anzuchtkasten 'hebeln' und in ihr neues Gefäß transferieren lassen. Sie können für diese Arbeit auch ein anderes Werkzeug Ihrer Wahl benutzen - von Löffelstielen über Kugelschreiber bis hin zu Schraubenziehern käme vieles in Frage. Wichtig ist nur, dass Sie damit gut umgehen können und die Pflänzchen beim Vereinzeln so wenig wie möglich beschädigt werden. Tipp: Pflanzen Sie jeden Sämling einzeln um! Je länger ein Sämling ausgegraben ist und seinen feine Wurzeln länger als ein paar Minuten der Luft und Trockenheit ausgesetzt sind, desto mehr nimmt er Schaden und desto eher wird er das Vereinzeln nicht gut überstehen. Setzen Sie jeden Sämling in sein vorbereitetes Pflanzgefäß und drücken Sie die Erde rings um den Stängel mit den Fingern fest. Wässern Sie den Setzling nach dem Umtopfen reichlich, aber vorsichtig ein. Von jetzt an hat der umgetopfte Setzling die besten Voraussetzungen für einen gesunden Start!

Weitere Pflegetipps:
Achten Sie bis zum Auspflanzen der Setzlinge auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, Licht und Wärme. Gerade im Frühjahr vor den Eisheiligen um den 15. Mai ist es wichtig, die Pflänzchen einerseits abzuhärten, sprich an die Bedingungen im freien zu gewöhnen, andererseits aber auch vor den heimtückischen Spätfrösten zu schützen. Stellen Sie die Töpfe mit den Setzlingen nachts lieber in den Frühbeetkasten oder ins Gewächshaus - oder legen Sie zumindest ein Schutzvlies darüber. Wichtig: Warten Sie nicht zu lange mit dem Auspflanzen der Setzlinge! Spätestens wenn sich die Wurzeln der Pflänzchen bis zum Rand des Topfes vorgearbeitet haben, ist es Zeit, sie ins Freie zu setzen.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Anzucht!

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© Till Gabriel / Goldberg Gartenschatz 2012-2017

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