Ich stimme zu

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung

Warum biologisch gärtnern?

ÜBERSICHT DER INHALTE

1. Was bedeutet 'biologisch gärtnern'?
2. Bedeutet 'bio' auch 'biologisch'?
3. Biologisch vs. konventionell
4. Ist 'bio' wirklich gesünder?
5. Schmeckt 'bio' aus dem eigenen Garten wirklich besser?



1. Was bedeutet 'biologisch gärtnern'?

Wenn man aktuelle Zeitschriften und Bücher zum Thema 'Biologisches Gärtnern' liest, könnte man meinen, dass es sich dabei um eine 'Entdeckung' der Neuzeit handelt, um eine Art moderner, wundersamer Entwicklung, die auf den Äckern und in den Köpfen der Menschen stattfindet und sich langsam, aber beständig durchsetzt. Es ist aber noch gar nicht so lange her, da wurden die Pioniere der 'Bio-Bewegung' als Scharlatane und rückständige Eigenbrötler abgetan, die mit fanatischem Eifer und umstürzlerischen Ideen die Agrarwirtschaft auf den Kopf zu stellen versuchten. Meine Tante Ingrid Gabriel, die schon sehr früh nach der biologisch-dynamischen Methode ihren Garten bewirtschaftete und in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts begann, Bücher über den biologischen Gartenbau zu verfassen (eine Taschenbuch-Serie, die im Falken-Verlag erschien), erzählte mir immer, wie skeptisch und teils aggressiv sich die Menschen zu dieser Zeit noch gegen die Ideen des Gärtnerns im Einklang mit der Natur wehrten. Man muss sich vorstellen, dass es zu dieser Zeit als fortschrittlich galt, synthetischen Dünger auf die Äcker auszubringen und sich auch im Garten den Segen der Chemie zunutze zu machen - sei es nun bei der Schädlingsbekämpfung oder beim Düngen. Als meine Tante dann auch noch ein Buch über die 'Auswirkung der Mondphasen auf den biologischen Gartenbau' veröffentlichte, wurde sie von vielen endgültig als esoterische Spinnerin verurteilt. Aber ebenso wenig wie die bekannte, mittlerweile leider verstorbene Bio-Sachbuchautorin Marie-Luise Kreuter (deren Bücher ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen möchte), lies sie sich von ihrer Mission abhalten: Sie war absolut überzeugt davon, dass nur das naturgemäße Gärtnern langfristig die Bedürfnisse des Menschen nach gesunder, nachhaltig produzierter und vielfältiger Nahrung befriedigen kann. Sie hatte erkannt, dass nicht das biologische Gärtnern die Abweichung von der Normalität war, sondern umgekehrt die moderne Landwirtschaft mit ihren sogenannten 'Errungenschaften' als Anomalie begriffen werden musste. Denn 'biologisch' bedeutet übersetzt 'lebensgesetzlich'. Freilich ist dieses 'Lebensgesetz' ein ungeschriebenes Gesetz - auch wenn moderne Bioverordnungen und  -vorgaben versuchen, es in eine klar umrissene Form zu pressen.

Wenn man bedenkt, dass der Mensch jahrtausendelang im Einklang mit der Natur Ackerbau und Landwirtschaft betrieben hat, dann nimmt sich die kurze Zeit der 'synthetisch-industriellen' Landwirtschaft von den 1860er Jahren bis heute eher als eine kurze Epoche aus - vorausgesetzt, die Rückkehr zur biologischen Landwirtschaft wird konsequent fortgesetzt. Dabei ist es wichtig, zu verstehen, dass es nicht eine einzige 'biologische Methode' gibt, sondern ein ganze Reihe biologischer Richtungen, die aber eines gemeinsam haben: Sie berücksichtigen die vielfältigen Beziehungen der Lebewesen des Bodens zu den Pflanzen, die wir anbauen; sie prüfen jede Kulturmaßnahme im Garten oder auf dem Feld  im Hinblick auf ihre Wirkung auf das gesamte System. Sie beziehen Faktoren wie Klima, Boden, Luft und Wasser in ihre Vorgehensweise ein und entscheiden nicht im Sinne ihrer selbst, sondern im Sinne des Ganzen. Unabhängig von der Tatsache, dass die Wörter 'Bio' oder 'Biologisch' heutzutage für alles mögliche als programmatische Schlagworte oder auch teilweise falsche Bezeichnungen gebraucht werden, ist ihre Bedeutung eindeutig: es geht darum, mit der Natur zu arbeiten, nicht gegen sie. Wer biologisch gärtnert, der nimmt also Rücksicht auf die Wechselwirkungen in der Natur und greift nur dort ein, wo eine Störung der natürlichen Kreisläufe unvermeidbar ist.

Andererseits heißt biologisches Gärtnern nicht, der Natur im Garten einfach freien Lauf zu lassen - das würde auch der Idee des Gärtnerns an sich widersprechen. Denn das deutsche Wort 'Garten' leitet sich etymologisch von Gerte ab (indogermanisch 'gher') - gemeint sind Weiden- oder Haselnussruten, mit denen in früherer Zeit ein Zaun geflochten wurde, um den 'Garten' (= lat. 'hortus') von der Wildnis des umliegenden, unbearbeiteten Landes abzuschirmen. Somit ist das Gärtnern an sich eine Tätigkeit, die mit der Bearbeitung des Bodens und dem Anbau von (Nutz-)Pflanzen durch den Menschen gleichgesetzt werden kann. An dieser Stelle kommt das Wort 'künstlich' ins Spiel: Der Mensch greift 'künstlich' in die Natur ein, um ein neues Gleichgewicht zu schaffen und seine Ernährung sicherzustellen. Auch wer biologisch gärtnert 'kultiviert' den Boden, führt ihm 'künstlich' Nährstoffe hinzu und greift in das natürliche Gefüge ein. Im Unterschied zum sog. konventionellen Landbau wird aber im Biogarten darauf geachtet, die Natur und ihre biochemischen Prozesse zu fördern und sich ihre Wirkung gleichzeitig zunutze zu machen. Die Einsicht, dass auch das am höchsten entwickelte Lebewesen davon abhängig ist, dass auch die kleinsten, einfachsten Lebensformen überleben und ihrer Tätigkeit nachgehen können, führt zu einer neuen Nachhaltigkeit beim Gärtnern.

Vielleicht liegt das Wesen des biologischen Gartenbaus darin begründet, dass sich der Mensch ein Stück weit der Natur anpasst, und sich nicht mit Gewalt die Natur Untertan macht. Letztlich hat das aber nichts mit einer verklärenden Romantik zu tun, sondern mit einem bewussten, nachhaltigen Umgang mit den auf der Erde verfügbaren Ressourcen - nur so kann überhaupt gewährleistet werdenn, dass sich der Mensch dauerhaft von der Ernte seiner Saat ernähren kann. Dass Pflanzen, die mit biologisch-ökologischen Methoden angebaut wurden, vermutlich auch noch gesünder sind, weil sie eine höhere Nährstoffkonzentration und zum Beispiel - wie zahlreiche Tests mit verschiedenen Gemüsearten gezeigt haben - eine größere Menge bioaktiver Substanzen (sekundärer Pflanzenstoffe) wie Antioxidantien, Carotinoide, Terpene, Glucosinolate u.v.m. enthalten, ist eine hinlängliche Bestätigung für den Sinn biologischer Garten- und Feldwirtschaft.


nach oben



2. Bedeutet 'Bio' auch 'biologisch'?

Wir wollen hier keine Wortklauberei betreiben - doch die Frage ist berechtigt! Wenn auf einer Gemüsepackung innerhalb der EU das Bio-Siegel prangt, dann bedeutet dies nur, dass das enthaltene Gemüse nach den Richtlinien der EU Bio-Verordnung angebaut wurde. Diese Verordnung umfasst mehr oder weniger strenge Kontrollen der Anbaumethoden, der verwendeten Schädlingsbekämpfungsmittel, Dünger und Pestizide. Man sollte also beim Kauf von Gemüse mit dem EU Bio-Siegel zumindest sicher sein können, dass man keine mit chemisch-synthetischen Düngern oder Pestiziden belastete Ware erwirbt. Insofern hat das Bio-Siegel eine gewisse Berechtigung im Sinne des Verbraucherschutzes. Ob allerdings eine gemäß der EU-Bioverordnung gezogene Zucchini, die nach ihrer Reifung im Gewächshaus in Almeria in Spanien mit dem Lastwagen nach Deutschland gefahren wird, als biologisch angesehen werden kann, ist für uns fraglich. Rechnet man die gesamte Belastung der Umwelt, die dieser Vorgang mit sich bringt, in die Produktion dieser Zucchini mit ein, dann wäre ihr Kauf verantwortungslos. 'Biologisch' heißt für uns auch, an die Ökobilanz von Produktion, Verpackung und Transport einer Ware zu denken - sei es nun Gemüse, Fleisch oder ein Milchprodukt. Deshalb sind für uns die Begriffe 'Biologisch' und 'Regionalität' eng miteinander verknüpft. Je kürzer die Wege vom Produktionsort bis zum Verbraucher, je geringer die damit verbundene Schadstoffbelastung, desto besser die Ökobilanz - und desto frischer die Ware!

Wer nicht nur sein Gewissen beruhigen, sondern wirklich etwas für den Erhalt der natürlichen Ressourcen und Kreisläufe auf der Erde tun will, der braucht mehr Hintergrundinformationen zu diesem weitläufigen Thema. Der 'Normalverbraucher' glaubt ja häufig, dass 'Bio' automatisch besser, gesünder und nachhaltiger ist - und wäre erschüttert, wenn er erfahren würde, dass er mit dem Kauf von meist auch noch teurem Biogemüse ökonomische Verfahrensweisen subventioniert, die der Natur mehr schaden als manche konventionelle Produktion. 'Biologisch' bezieht sich in unserem Verständnis des Wortes deshalb nicht alleine auf die Anbaumethode oder die verwendeten Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel, sondern auf den gesamten Prozess der landwirtschaftlichen Erzeugung von Lebensmitteln, ihrer Vermarktung und Verteilung. 'Bio' im Sinne des Bio-Siegels bedeutet heute immer noch Luxus - ein Luxus, den sich eine wohlhabendere Käuferschicht gönnt, um ihr Gewissen zu beruhigen und sich vorzugaukeln, sie lebe besser und gesünder als der Rest der Gesellschaft. Dabei geht es bei der biologischen Idee gar nicht um das Individuum, sondern um das 'große Ganze', um die Zusammenhänge, die häufig im Verborgenen liegen. Wir wünschen uns, dass mehr Menschen verstehen, dass es hier tatsächlich nicht um den 'Schein', sondern um das 'Sein' geht. Wir wissen, dass dafür mehr Aufklärung nötig ist. Aber um zu verstehen, dass das Wort 'Bio' auf einer Schale Karotten, die in Israel (in der Wüste) produziert wurden, und die dann über tausende Kilometer nach Österreich oder Deutschland transportiert wurde, sich nur und ausschließlich auf den Anbau bezieht, dafür braucht es wohl keine weiteren Erklärungen ...


nach oben

3. Biologisch vs. konventionell

Auch wenn das ebenfalls wie Wortklauberei aussieht: Es ist absurd, dass der sogenannte 'konventionelle Landbau' heute als Gegenteil von 'biologischem Landbau' definiert wird. 'Konventionell' bedeutet laut Duden 'der gesellschaftlichen Norm entsprechend' bzw. 'althergebracht', 'überliefert', 'traditionell'. Wenn also der 'konventionelle Landbau' tatsächlich dem 'althergebrachten Landbau' entsprechen würde, dann wäre er 'biologisch'! Natürlich könnte man argumentieren, dass sich das 'Althergebrachte' nur auf zwei oder drei vergangene Generationen beziehen würde - doch das entspricht nicht der üblichen Definition des Begriffes. Selbst wenn dem so wäre: Wer heute gärtnert wie vor 100 Jahren, der gärtnernt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit 'biologisch'. Denn damals waren chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide zwar schon verfügbar, aber für den normalen Gärtner und Landwirt kaum erschwinglich. Ohne an dieser Stelle zu weit abzuschweifen: Häufig sind die Begriffe, die in den Diskusssionen um die landwirtschaftliche Produktion unserer Lebensmittel verwendet werden, falsch besetzt. Wir bevorzugen für das, was der Begriff 'konventionelle Landwirtschaft' heute aussagen soll, eher den Terminus 'industrielle Landwirtschaft'. Demnach entspräche die Umstellung industrieller landwirtschaftlicher Produktion auf biologische Landwirtschaft in unserem Verständnis einer Rückkehr zur konventionellen Landwirtschaft.


nach oben


4. Ist 'bio' wirklich gesünder?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Wissenschaft schon seit einiger Zeit. Um eines gleich vorweg zu nehmen: Es gibt unseres Wissens bis dato kein einziges Untersuchungsergebnis einer Langzeitstudie, die eine direkte positive Auswirkung der Ernährung mit nach biologischen Richtlinien hergestellten Lebensmitteln beweisen kann. Es konnte zwar in Studien verschiedener Institute und Universitäten rund um den Globus nachgewiesen werden, dass biologisch gezogenes Gemüse teilweise einen höheren Nährstoff- und Vitaminanteil aufweist als das konventionell bzw. industriell hergestellte; und auch eine mitunter beträchtlich höhere Menge bioaktiver Substanzen (die teilweise vermutlich auch eine krebshemmende Wirkung haben) wurde in Bio-Gemüse schon festgestellt. Welche Wirkung die Aufnahme bzw. ein Mangel dieser Nährstoffe und Substanzen auf den menschlichen Körper hat, konnte bislang aber nicht geklärt werden. Doch auch bei der Frage, ob 'bio' gesünder ist, darf man unserer Meinung nach das 'große Ganze' nicht außer Acht lassen. Deshalb sollte die Frage besser lauten: Für wen ist bio gesünder? Wer bereit ist, sein 'Selbst' für einen Augenblick hinter sich zu lassen und sich nicht als Individuum, sondern als Teil der Natur im Ganzen zu betrachten, der wird erkennen, dass er den natürlichen Systemen und ihren Kreisläufen untergeordnet ist. Insofern ist 'bio' - selbst wenn es nur im Sinne einer EU Bio-Verordnung verstanden wird - auf Dauer mit großer Wahrscheinlichkeit gesünder als die industrialisierte Landwirtschaft, da die Zerstörung der Ökosysteme auf der Erde durch die biologische Landwirtschaft zumindest verringert wird. Unsere eigene Antwort auf die Frage, ob 'bio' gesünder ist, lautet: Garten- und Landbau nach biologischen Richtlinien in Verbindung mit Regionalität sind die Grundlagen für eine ressourcenschonende, die Umwelt entlastende, naturgemäße und damit auch langfristig gesündere Produktion unserer Lebensmittel.


nach oben

5. Schmeckt 'bio' aus dem eigenen Garten wirklich besser?

Auch bei dieser Frage müssen wir ein wenig 'hinter die Kulissen' schauen. Die meisten Biogärtner würden wohl auf Anhieb sagen, dass ihr biologisch gezogenes Gemüse besser schmeckt als 'normales' Supermarktgemüse. Und natürlich sind auch wir selbst davon überzeugt, dass gekaufte Ware aus dem Geschäft, ja selbst vom Wochenmarkt geschmacklich nicht an das Biogemüse aus unserem Garten heranreicht. Der Grund dafür liegt aber nicht - wie man meinen könnte und ja auch viele Skeptiker immer wieder behaupten - an der ideologischen Einstellung der Biogärtner oder an ihrem zweifelhaften Versuch, ihre biologischen Überzeugungen zu rechtfertigen. Vielmehr gibt es ein paar ganz offensichtliche und leicht verständliche Gründe für den Geschmacksunterschied:

Der erste Unterschied ist in der Auswahl der Sorten und des Saatgutes begründet: Ein Biogärtner, der konsequent ökologisch arbeitet, wird niemals Hybrid-Saatgut für den Anbau seiner Pflanzen verwenden. Die hybridisierten Sorten, die leider auch laut EU Bio-Verordnung im biologischen Landbau zugelassen sind, werden auf bestimmte Merkmale wie gleichförmiges Wachstum, Resistenzen gegen Krankheiten, einheitlichen Reifezeitpunkt, einheitliche Größe und Farbe usw. angebaut. Was bei der Züchtung selten berücksichtigt wird bzw. zwangsläufig unter der Hybridisierung leidet, ist der Geschmack. Insofern schmeckt eine Tomate, die aus Hybridsaatgut gezogen wurde - ganz gleich, ob sie biologisch angebaut wurde oder industriell - häufig nach nichts außer Wasser (übrigens riechen solche Tomaten auch nach nichts, selbst wenn man an ihrer Schale reibt und riecht - der tomatige Geruch, der manchmal aus einer Schale Rispentomaten aus dem Supermarkt aufsteigt, rührt von dem kurzen Stück Stängel, das sich darin befindet). Die alten, ursprünglichen und samenfesten (also aus ihrem eigenen Samen vermehrbaren) Sorten hingegen strotzen meist vor geschmacklicher Intensität und farblicher Vielfalt. Allerdings eignen sich diese Sorten weniger gut für den industriellen Anbau. Im eigenen Garten allerdings sind  Anforderungen wie maschinelle Beerntbarkeit, gleichmäßie Größe und einheitlicher Reifezeitpunkt unwichtig bis hinderlich. Wie schön, dass man als Gärtner (noch) die freie Wahl hat und sich für den Geschmack und die Vielfalt entscheiden kann!

Womit wir beim zweiten Unterschied wären: Der Vielfalt. Ein Biogärtner hat die Möglichkeit, ungeachtet der Anforderungen des modernen, industriellen Landbaus an die Auswahl der Sorten, eine große Zahl distinktiv unterschiedlicher Pflanzen anzubauen. Die biologische Vielfalt historischer, teilweise seit Jahrhunderten in Kultur befindlicher Gemüsesorten hat, was Geschmack, Form und Farbe betrifft, weit mehr zu bieten als die neuen, standardisierten Hybridsorten. Viele der 'alten' Sorten schmecken intensiver, süßlicher, säuerlicher oder auf andere Weise für sich typischer - das erweitert natürlich die geschmackliche Vielfalt immens und bietet immer wieder neue kulinarische Erlebnisse.

Dritter Unterschied: Der Reifegrad. Es ist doch klar, dass selbst Bio-Gemüse, das in Süditalien unreif geerntet wird, um dann einigermaßen reif in österreichischen oder deutschen Supermärkten verkauft zu werden, nicht genauso schmecken kann wie frisch geerntetes Gemüse aus dem eigenen Garten oder regionales, in der Früh geschnittenes Gemüse, das am Vormittag auf dem Wochenmarkt feilgeboten wird. Grundsätzlich gilt: Jede Minute, die ein Kohlrabi, eine Aubergine, eine Möhre oder sonst ein Gemüse oder Obst nicht in direkter Verbindung zur Pflanze und ihren Wurzeln und damit der Erde steht, verdirbt es. Es verliert an Geschmack, wird welk, weich und verliert Saft. Jemand der behauptet, frisch geerntetes Gemüse aus dem Garten schmecke auch nicht besser als gekauftes aus dem Supermarkt, macht sich wirklich lächerlich.

Letzter Unterschied: Der Anbau. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Anbaumethode und die individuellen Wachstumsbedingungen einer Pflanze eine große Auswirkung auf ihren Geschmack haben. Dazu gehören natürlich auch die klimatischen Bedingungen, auf die wir aber keinen Einfluss haben. Was wir aber beeinflussen können, ist die Zusammensetzung der Erde (des Subtrates), auf dem die Pflanzen wachsen. Jeder, der biologisch gärtnert, wird darauf achten, nur organisches Material zu kompostieren, das möglichst frei von Schadstoffen ist. Durch die Pflege und den bewussten Aufbau der Humusschicht im Gartenboden kann können Vitalität, Gesundheit und Geschmack der angebauten Pflanzen direkt und indirekt beeinflusst werden. Zudem assimilieren sich Pflanzen bei längerer Standorttreue an die Bedingungen, die sie vorfinden - auch das kann sich auf die Pflanzengesundheit, den Geschmack und die Erntemenge auswirken.

nach oben

© Till Gabriel / Goldberg Gartenschatz 2012-2017

Merken